Schöne Fraun mit schönen Katzen
1929Schöne Fraun und Katzen pflegen Häufig Freundschaft, wenn sie gleich sind, Weil sie weich sind Und mit Grazie sich bewegen.
Weil sie leise sich verstehen, Weil sie selber leise gehen, Alles Plumpe oder Laute Fliehen und als wohlgebaute Wesen stets ein schönes Bild sind.
Unter sich sind sie Vertraute, Sie, die sonst unzähmbar wild sind.
Fell wie Samt und Haar wie Seide. Allverwöhnt. - Man meint, daß beide Sich nach nichts, als danach sehnen, Sich auf Sofas schön zu dehnen.
Schöne Fraun mit schönen Katzen, Wem von ihnen man dann schmeichelt, Wen von ihnen man gar streichelt, Stets riskiert man, daß sie kratzen.
Denn sie haben meistens Mucken, Die zuletzt uns andre jucken. Weiß man recht, ob sie im Hellen Echt sind oder sich verstellen?
Weiß man, wenn sie tief sich ducken, Ob das nicht zum Sprung geschieht? Aber abends, nachts, im Dunkeln, Wenn dann ihre Augen funkeln, Weiß man alles oder flieht Vor den Funken, die sie stieben.
Doch man soll nicht Fraun, die ihre Schönen Katzen wirklich lieben, Menschen überhaupt, die Tiere Lieben, dieserhalb verdammen.
Sind Verliebte auch wie Flammen, Zu- und ineinander passend, Alles Fremde aber hassend.
Ob sie anders oder so sind, Ob sie männlich, feminin sind, Ob sie traurig oder froh sind, Aus Madrid oder Berlin sind, Ob sie schwarz, ob gelb, ob grau, -
Auch wer weder Katz noch Frau Schätzt, wird Katzen gern mit Frauen, Wenn sie beide schön sind, schauen.
Doch begegnen Ringelnatzen Häßlich alte Fraun mit Katzen, Geht er schnell drei Schritt zurück. Denn er sagt: Das bringt kein Glück.
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Interpretation
Das Gedicht "Schöne Fraun mit schönen Katzen" von Joachim Ringelnatz beschäftigt sich mit den Gemeinsamkeiten und Parallelen zwischen schönen Frauen und schönen Katzen. Der Dichter hebt ihre gemeinsamen Eigenschaften hervor, wie ihre Weichheit, Anmut und leise Art, sich zu bewegen. Beide werden als wohlerzogene und ästhetische Wesen dargestellt, die alles Plumpes oder Laute meiden. Ringelnatz geht auf die innige Beziehung zwischen Frauen und Katzen ein, die durch gegenseitiges Verständnis und Vertrautheit gekennzeichnet ist. Er beschreibt ihre verwöhnte Natur und die Neigung, sich auf Sofas zu dehnen. Der Dichter weist jedoch auch auf die potenzielle Gefahr hin, die von beiden ausgehen kann, wenn man ihnen zu nahe kommt oder sie provoziert. Das Gedicht endet mit einer Reflexion über die Akzeptanz von Menschen, die Tiere lieben, insbesondere Frauen, die ihre Katzen lieben. Ringelnatz betont, dass es egal ist, ob diese Menschen aus verschiedenen Kulturen stammen oder unterschiedliche Eigenschaften haben. Er plädiert dafür, dass auch diejenigen, die weder Katzen noch Frauen besonders schätzen, den Anblick von schönen Katzen mit schönen Frauen genießen können. Der Dichter schließt mit einer persönlichen Anmerkung, dass er hässlichen alten Frauen mit Katzen lieber aus dem Weg geht, da er dies als Unglück betrachtet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schöne Fraun und Katzen pflegen
- Ironie
- Doch begegnen Ringelnatzen Häßlich alte Fraun mit Katzen, Geht er schnell drei Schritt zurück. Denn er sagt: Das bringt kein Glück.
- Metapher
- Fell wie Samt und Haar wie Seide
- Personifikation
- Weil sie leise sich verstehen
- Vergleich
- Verliebte auch wie Flammen