Schneeschmelze
1905Nun muss der Schnee vom Haupt der Berge steigen: die Sonne giebt ihm länger keine Ruh. Sie will dir ihre neuen Wunder zeigen, den Blüthenschnee, verstreut auf allen Zweigen – das Haupt vor solcher frohen Fülle neigen musst nun auch du.
Schon dampft es von den Höhn zu höchsten Hallen: ein Zauber überwebt das tiefe Blau. Es formt sich überm See zu Riesenballen, nicht lange mehr, da hörst du Donner schallen und Segensströme auf den Frühling fallen aus Wolkengrau.
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Interpretation
Das Gedicht "Schneeschmelze" von Otto Erich Hartleben beschreibt den Übergang vom Winter zum Frühling. Die ersten Zeilen verdeutlichen den unaufhaltsamen Wandel der Jahreszeiten, symbolisiert durch den Schnee, der von den Bergen steigt und der Sonne, die ihre neuen Wunder zeigen möchte. Der "Blüthenschnee" auf den Zweigen kündigt das Erwachen der Natur an, und der Leser wird aufgefordert, sich diesem Wandel zu beugen und sich vor der Fülle des Lebens zu neigen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Atmosphäre intensiver. Der Dampf, der von den Höhen aufsteigt, und der Zauber, der das tiefe Blau überwebt, schaffen eine mystische Stimmung. Die Bildung von Riesenballen über dem See und der bevorstehende Donner deuten auf ein bevorstehendes Gewitter hin. Doch dieses Gewitter ist kein Zeichen des Unheils, sondern ein Segen, der den Frühling einläutet und die Natur mit lebenspendenden Strömen aus den Wolken erfrischt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Hoffnung und Erneuerung. Der Übergang vom Winter zum Frühling wird als ein natürlicher, unausweichlicher Prozess dargestellt, der mit Schönheit und Magie verbunden ist. Der Leser wird eingeladen, sich diesem Wandel hinzugeben und die Wunder der Natur zu bewundern, die sich in jedem Frühling aufs Neue offenbaren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- aus Wolkengrau
- Metapher
- ein Zauber überwebt das tiefe Blau
- Personifikation
- da hörst du Donner schallen
- Symbolik
- Segensströme auf den Frühling fallen