Schneeglöckchen

Joseph von Eichendorff

unbekannt

′s war doch wie ein leises Singen In dem Garten heute nacht, Wie wenn laue Lüfte gingen: “Süße Glöcklein, nun erwacht, Denn die warme Zeit wir bringen, Eh′s noch jemand hat gedacht.” - ′s war kein Singen, ′s war ein Küssen, Rührt′ die stillen Glöcklein sacht, Daß sie alle tönen müssen Von der künftgen bunten Pracht. Ach, sie konntens nicht erwarten, Aber weiß vom letzten Schnee War noch immer Feld und Garten, Und sie sanken um vor Weh. So schon manche Dichter streckten Sangesmüde sich hinab, Und der Frühling, den sie weckten, Rauschet über ihrem Grab.

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Illustration zu Schneeglöckchen

Interpretation

Das Gedicht "Schneeglöckchen" von Joseph von Eichendorff beschreibt die zarte und zugleich tragische Erweckung der Schneeglöckchen im Frühling. Die Schneeglöckchen werden als kleine Glöckchen dargestellt, die von einer sanften Stimme im Garten geweckt werden. Die Stimme verspricht ihnen die Ankunft der warmen Jahreszeit, noch bevor es jemand anderes erwartet. Dies symbolisiert die frühe Blüte der Schneeglöckchen, die oft noch vor dem Ende des Winters erscheinen. Die Interpretation setzt sich fort mit der Erkenntnis, dass es nicht nur ein Singen war, das die Schneeglöckchen weckte, sondern ein Küssen. Dieses Küssen rührt die stillen Glöckchen so sanft an, dass sie alle von der zukünftigen bunten Pracht erzählen müssen. Doch die Schneeglöckchen können die Vorfreude auf den Frühling nicht erwarten. Sie blühen auf, obwohl noch immer Feld und Garten vom letzten Schnee weiß sind. Diese Ungeduld führt dazu, dass sie vor Weh sinken, was ihre Verletzlichkeit und die Härte der noch winterlichen Umgebung verdeutlicht. Abschließend zieht das Gedicht eine Parallele zwischen den Schneeglöckchen und den Dichtern. So wie die Schneeglöckchen vorzeitig erblühten und an der Kälte zugrunde gingen, streckten sich auch viele Dichter, müde von ihrem Schaffen, hinab. Der Frühling, den sie durch ihre Werke weckten, rauscht über ihrem Grab. Dies symbolisiert den ewigen Einfluss ihrer Dichtkunst, die über ihren Tod hinauswirkt und den Frühling der Menschheit immer wieder neu erblühen lässt.

Schlüsselwörter

singen garten glöcklein leises heute nacht laue lüfte

Wortwolke

Wortwolke zu Schneeglöckchen

Stilmittel

Anapher
's war kein Singen, 's war ein Küssen, Rührt' die stillen Glöcklein sacht,
Kontrast
Ach, sie konntens nicht erwarten, Aber weiß vom letzten Schnee War noch immer Feld und Garten
Metapher
Und der Frühling, den sie weckten, Rauschet über ihrem Grab.
Personifikation
's war doch wie ein leises Singen In dem Garten heute nacht, Wie wenn laue Lüfte gingen: 'Süße Glöcklein, nun erwacht, Denn die warme Zeit wir bringen, Eh's noch jemand hat gedacht.'
Symbolik
Und sie sanken um vor Weh.