Schneckenhaus und Rose
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Zart gedrehte, kleine Tschorte, wolkengraues Haus. Spiel der Luft vor deiner Pforte tanzt die Klage aller Orte: “Weiß nicht Ein, noch Aus…”
Ariadnes leere Schale, dunklen Fadens Gang, süßer Zauber der Spirale - Theseus! ruft es hundertmale, Theseus? fragt es bang.
Kehre wieder! summt die Höhle, seufzt das Heiligtum. “Nicht zu dir - die ich erwähle, Rose, der ich mich vermähle, dir kehrt Theseus um!”
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Unverführter Liebesgüte innerstes Gezelt, wo sich Duft und Form der Mythe (Labyrinth und reine Blüte) weithin offenhält,
Ganz in Hauch gelöster Hades, wenn einst Blatt um Blatt fällt, und an dem Ziel des Pfades Krümmung und der Schwung des Rades endlich Ruhe hat -
sprichst du nicht: da unter Laren Liebe ihr euch schwurt, Ariadne, lass nun fahren deinen Helden in den klaren Schoß der Neugeburt!
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Interpretation
Das Gedicht "Schneckenhaus und Rose" von Elisabeth Langgässer erzählt von der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Das Schneckenhaus wird als zartes, wolkengraues Haus beschrieben, das Schutz und Sicherheit bietet. Doch zugleich klagt es über die Einsamkeit und die Ungewissheit, ob es jemals einen Ausweg aus seiner Enge finden wird. Das Gedicht verwebt die Mythologie von Ariadne und Theseus mit der Symbolik des Schneckenhauses und der Rose. Ariadne, die ihre Liebe zu Theseus opferte, um ihm den Ausweg aus dem Labyrinth zu weisen, wird mit dem Schneckenhaus verglichen. Beide sehnen sich nach der Rückkehr des Geliebten, der jedoch eine andere Wahl getroffen hat - Theseus die Rose. Die Rose steht für die unverfälschte, reine Liebe, die im Gegensatz zur tragischen Liebe zwischen Ariadne und Theseus steht. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Metamorphose thematisiert. Das Schneckenhaus und die Rose, die beide für die Liebe stehen, verschmelzen zu einem Symbol der vollkommenen, ewigen Liebe. Wenn das Schneckenhaus seine Blätter verliert und zur Ruhe kommt, spricht es zu Ariadne, dass sie ihren Helden in den Schoß der Neugeburt ziehen lassen soll. Dies deutet auf die Möglichkeit der Wiedergeburt und der ewigen Liebe hin, die über den Tod hinausgeht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- wenn einst Blatt um Blatt fällt
- Anspielung
- Ariadne, lass nun fahren deinen Helden in den klaren Schoß der Neugeburt
- Apostrophe
- Kehre wieder! summt die Höhle, seufzt das Heiligtum
- Bildsprache
- Unverführter Liebesgüte innerstes Gezelt
- Kontrast
- Nicht zu dir - die ich erwähle, Rose, der ich mich vermähle
- Metapher
- an dem Ziel des Pfades Krümmung und der Schwung des Rades endlich Ruhe hat
- Personifikation
- Spiel der Luft vor deiner Pforte tanzt die Klage aller Orte
- Symbolik
- (Labyrinth und reine Blüte) weithin offenhält
- Wiederholung
- Theseus! ruft es hundertmale, Theseus? fragt es bang