Schlußwort

Joseph Christian von Zedlitz

1790

Wohl! so hänget Eure Kränze An dem heil’gen Hügel auf, Und sein gluthbeseeltes Auge Blicke aus den Sternen drauf!

Wollt Ihr wissen, wo er schwebet? Seht der goldnen Schein Dort am Abendhimmel glänzen, Bei der Leyer muß er seyn.

Wollt Ihr, wie er aussieht, wissen, Wollt Ihr wissen, was er thut? Ob er, sturmbewegt auf Erden, Nun im Himmelshause ?

Auf den Wolken sitzt er sinnend, Und es greifet seine Hand In die ungeheuern Saiten, Zwischen Sternen ausgespannt!

Und es klingen seine Lieder, Und die Sel’gen stimmen ein! Und die Engel alle staunen, Und die Himmel jauchzen drein!

Und sie singen: Lob dem Herren, Lob dem Ew’gen, der die Welt, Und die Sterne, und die Leyer, Und den Sänger hat bestellt.

Und der Lichtverklärte blicket, Wie auf Erden er gethan, Hoch entzückt, doch düster schauend, All’ die ew’gen Wunder an.

Wie er war, ist er geblieben: Kraftvoll, würdig. wahrhaft, rein, Ja, die der Perlen Schloß die rauhe Muschel ein!

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Illustration zu Schlußwort

Interpretation

Das Gedicht "Schlußwort" von Joseph Christian von Zedlitz ist eine poetische Verabschiedung und Huldigung eines verstorbenen Sängers oder Künstlers. Es beschreibt, wie der Verstorbene im Himmel weiterhin als Musiker tätig ist, indem er auf einer himmlischen Leier spielt und seine Lieder singt, die von den Seligen und Engeln mit Begeisterung aufgenommen werden. Das Gedicht vermittelt die Vorstellung, dass der Künstler im Jenseits seine kreative Kraft und Würde bewahrt hat und weiterhin von den himmlischen Wesen bewundert wird. Die dritte Strophe wirft Fragen nach dem Aussehen und den Tätigkeiten des Verstorbenen im Himmel auf, was auf die Sehnsucht und Neugier der Menschen nach dem Jenseits hinweist. Die vierte und fünfte Strophe beschreiben den Verstorbenen als sinnend auf den Wolken sitzend, der in die Saiten greift, die zwischen den Sternen gespannt sind, und seine Lieder erklingen lässt. Die Engel und Seligen stimmen ein und jauchzen, während sie den Herrn preisen, der die Welt, die Sterne, die Leier und den Sänger geschaffen hat. Die letzte Strophe betont, dass der Verstorbene trotz seiner Verklärung im Himmel seine ursprünglichen Eigenschaften bewahrt hat: Kraftvoll, würdig, wahrhaft und rein. Das Gedicht schließt mit einer Metapher, die besagt, dass die Perle, die den harten Muschelkern umschließt, genauso wie der Künstler seine innere Stärke und Reinheit bewahrt hat, trotz der Veränderungen, die der Tod mit sich bringt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Bei der Leyer muß er seyn
Bildsprache
Und der Lichtverklärte blicket
Hyperbel
Und es klingen seine Lieder, Und die Sel'gen stimmen ein
Kontrast
Hoch entzückt, doch düster schauend
Metapher
Kraftvoll, würdig. wahrhaft, rein
Personifikation
Und sein gluthbeseeltes Auge Blicke aus den Sternen drauf
Symbolik
Und die Sterne, und die Leyer, Und den Sänger hat bestellt