Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.
, , , ,

Schlußergebniß

Von

»Sage, was ist am Ende der Bahn
Als das Wahre, das Beste dir erschienen?«
Nachdem verblichen so mancher Wahn,
Das Leben durch Arbeit abverdienen.

»Traurig.« – Ich weiß nicht, mir ist dabei
So heiter zu Muth wie in Jugendzeiten,
Die Seele befindet sich hell und frei
Im Dienste des Ganzen, im Meer, im weiten.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Schlußergebniß von Friedrich Theodor Vischer

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Schlußergebniß“ von Friedrich Theodor Vischer ist eine Reflexion über die Bilanz des Lebens und die Erkenntnisse, die man am Ende des Weges gewinnt. Es beginnt mit einer Frage nach dem, was am Ende der Lebensbahn als das Wahre und Beste erscheint. Die Antwort ist schlicht und pragmatisch: das Leben durch Arbeit zu verdienen, nachdem viele Illusionen verflogen sind.

Die Antwort wird jedoch als „traurig“ wahrgenommen. Der Sprecher widerspricht dieser anfänglichen Einschätzung, indem er eine unerwartete innere Heiterkeit und Freiheit beschreibt, die er im Alter empfindet. Diese Heiterkeit, so der Sprecher, ist vergleichbar mit der in jungen Jahren. Die Seele fühlt sich hell und frei, nicht trotz, sondern gerade wegen der Arbeit und des Engagements im Dienste des Ganzen. Diese Wendung deutet auf eine tiefe innere Zufriedenheit und Erfüllung hin, die aus der Hingabe an etwas Größeres resultiert.

Das Gedicht zeichnet sich durch einen Kontrast zwischen Erwartung und Realität aus. Die Erwartung, die Frage nach dem, was am Ende bleibt, deutet auf eine Suche nach einem tieferen Sinn, einem Ideal, einer Erleuchtung hin. Doch die Antwort, das schlichte „Leben durch Arbeit abverdienen“, scheint zunächst enttäuschend. Die wahre Erfüllung findet der Sprecher jedoch in der Freiheit und Heiterkeit, die durch das Engagement im Dienst des Ganzen entsteht.

Vischer vermittelt mit diesem Gedicht eine lebensbejahende Botschaft. Es geht nicht darum, dem Leben eine bestimmte Bedeutung aufzuzwingen, sondern die Erfüllung in der Tätigkeit selbst, in der Arbeit und im Dienst an etwas Größerem zu finden. Die Metapher des „Meers im weiten“ suggeriert Weite, Freiheit und die Zugehörigkeit zu einem umfassenden Ganzen. Das Gedicht ermutigt dazu, die eigenen Lebensumstände anzunehmen und die positiven Aspekte der Arbeit und des Engagements im großen Kontext zu sehen, anstatt sich von vermeintlichen Enttäuschungen oder Verlusten entmutigen zu lassen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.