Schluß

Frank Wedekind

unknown

Ich wußte ehmals nichts davon, Bin unschuldsvoll gewesen, Bis daß ich Wielands Oberon Und Heines Gedichte gelesen. -

Die haben sodann im Lauf der Zeit Mein bißchen Tugend bemeistert. Ich träumte von himmlischer Seligkeit Und ward zum Dichten begeistert.

Auch fand ich, das Dichten sei keine Kunst, Man müßt′ es nur einmal gewohnt sein. - Ich sang von feuriger Liebesbrunst, Von Rosenknospen und Mondschein;

Besang der Sonne strahlendes Licht. Viel Schönes ist mir gelungen. Jeweilen mit dem schönsten Gedicht Hab′ ich mich selber besungen.

Und folgte treu der gegebenen Spur Auf meine Muster gestützet; Schrieb viele Bogen Makulatur. - Wer weiß, zu was sie noch nützet? -

Und wenn das Dichten so weitergeht, So darf ich im Tode behaupten: “Am Ende war ich doch ein Poet, Obwohl es die wenigsten glaubten.” -

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Illustration zu Schluß

Interpretation

Das Gedicht "Schluß" von Frank Wedekind beschreibt die Entwicklung des lyrischen Ichs vom unschuldigen Leser zum selbsternannten Dichter. Die Reise beginnt mit der Lektüre von Werken wie Wielands "Oberon" und Gedichten von Heine, die das lyrische Ich für die Poesie begeistern und seine "bißchen Tugend bemeistert" haben. Die anfängliche Unschuld weicht einer leidenschaftlichen Beschäftigung mit dem Schreiben, wobei Themen wie "feuriger Liebesbrunst", "Rosenknospen" und "Mondschein" den Inhalt der Gedichte prägen. Das lyrische Ich singt von der Schönheit der Natur und der Liebe, wobei es sich selbst zum Gegenstand seiner Dichtung macht. In der zweiten Strophe reflektiert das lyrische Ich über den Prozess des Schreibens und die Produktion zahlreicher Gedichte, von denen viele als Makulatur enden. Trotz der möglichen Bedeutungslosigkeit dieser Werke behauptet das lyrische Ich, dass sie "noch nützen" könnten, was auf einen latenten Glauben an den Wert der eigenen Arbeit hindeutet. Die Behauptung, dass Dichten keine Kunst sei, sondern etwas, das man "nur einmal gewohnt" sein müsse, zeigt eine gewisse Selbstüberschätzung und Naivität in Bezug auf den kreativen Prozess. Das Gedicht endet mit einer selbstbewussten Aussage, dass das lyrische Ich im Tode als Poet anerkannt werden möchte, auch wenn nur wenige dies glauben. Diese Schlussfolgerung unterstreicht die Ironie und den Humor des Gedichts, da das lyrische Ich trotz seiner selbstkritischen Einräumung von Makulatur und möglicher Bedeutungslosigkeit an seiner poetischen Identität festhält. Die Ironie liegt darin, dass das lyrische Ich seine eigene Unbedeutendheit erkennt, aber dennoch an der Bedeutung seiner poetischen Existenz festhält, was die Ambivalenz zwischen Selbstüberschätzung und Selbstironie verdeutlicht.

Schlüsselwörter

dichten wußte ehmals davon unschuldsvoll gewesen wielands oberon

Wortwolke

Wortwolke zu Schluß

Stilmittel

Alliteration
feuriger Liebesbrunst
Anapher
Ich wußte ehmals nichts davon, Bin unschuldsvoll gewesen
Enjambement
Ich wußte ehmals nichts davon, Bin unschuldsvoll gewesen,
Hyperbel
Von Rosenknospen und Mondschein
Ironie
Und wenn das Dichten so weitergeht, So darf ich im Tode behaupten: 'Am Ende war ich doch ein Poet, Obwohl es die wenigsten glaubten.'
Metapher
Ich träumte von himmlischer Seligkeit
Personifikation
Die haben sodann im Lauf der Zeit Mein bißchen Tugend bemeistert
Rhetorische Frage
Wer weiß, zu was sie noch nützet?