Schlimme Wahl

Joseph von Eichendorff

1788

Du sahst die Fei ihr goldnes Haar sich strählen, Wenn morgens früh noch alle Wälder schweigen, Gar viele da im Felsgrund sich versteigen, Und weiß doch keiner, wen sie wird erwählen.

Von einer andern Dam′ hört ich erzählen Im platten Land, die Bauern rings dir zeigen Ihr Schloß, Park, Weiler - alles ist dein eigen, Freist du das Weib - wer möcht im Wald sich quälen !

Sie werden dich auf einen Phaeton heben, Das Hochzeitscarmen tönt, es blinkt die Flasche, Weitrauschend hinterdrein viel vornehm Wesen.

Doch streift beim Zug dich aus dem Walde eben Der Feie Blick, und brennt dich nicht zu Asche: Fahr wohl, bist nimmer ein Poet gewesen!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Schlimme Wahl

Interpretation

Das Gedicht "Schlimme Wahl" von Joseph von Eichendorff beschäftigt sich mit der Wahl zwischen zwei Frauen und den damit verbundenen Konsequenzen. Es thematisiert den Konflikt zwischen der Verlockung eines bequemen, wohlhabenden Lebens und der Faszination der Natur und der Poesie. Die erste Strophe stellt die Fee als geheimnisvolle und faszinierende Gestalt dar, die im Wald lebt und deren Wahl für den Betrachter unergründlich bleibt. Die Fee wird mit ihrem "goldnen Haar" und dem Schweigen der Wälder in Verbindung gebracht, was ihre Natürlichkeit und ihre Verbundenheit mit der Natur unterstreicht. Die zweite Strophe kontrastiert die Fee mit einer anderen Frau, die in einem Schloss im flachen Land lebt. Diese Frau repräsentiert den Komfort und den Reichtum des bürgerlichen Lebens. Der Sprecher betont, dass derjenige, der diese Frau wählt, alles bekommt, was er sich wünschen kann, und dass es keinen Grund gibt, im Wald zu leiden. Die dritte Strophe beschreibt die Hochzeit mit der Frau vom flachen Land. Der Sprecher malt ein Bild von Luxus und Prunk, das durch den Phaeton, das Hochzeitscarmen und die Flasche symbolisiert wird. Doch selbst inmitten dieses Glanzes kann der Blick der Fee aus dem Wald den Betrachter treffen und ihn daran erinnern, was er aufgegeben hat. Die letzte Strophe verdeutlicht die Konsequenzen der Wahl. Wenn der Blick der Fee den Betrachter trifft, wird er zu Asche verbrannt, was symbolisch für den Verlust seiner poetischen Seele und seiner Verbindung zur Natur steht. Der Sprecher schließt mit dem Fazit, dass derjenige, der die Frau vom flachen Land wählt, nie mehr ein Poet sein wird.

Schlüsselwörter

sahst fei goldnes haar strählen morgens früh alle

Wortwolke

Wortwolke zu Schlimme Wahl

Stilmittel

Hyperbel
Und weiß doch keiner, wen sie wird erwählen
Kontrast
Von einer andern Dam′ hört ich erzählen / Im platten Land
Metapher
Der Feie Blick, und brennt dich nicht zu Asche
Personifikation
Wenn morgens früh noch alle Wälder schweigen