Schlaf’, müde Seele

Cäsar Flaischlen

1921

Schlaf’, müde Seele, daß nichts dich mehr quäle! schlaf und vergiß deines Tagewerks Last! schlaf und vergiß, wie viel du auch heute an Lieb und Freude verloren hast, wie viel es wieder dir Rosen zerriß … schlaf, müde Seele, schlaf und vergiß!

Was dir zerrann an Glauben und Glück, in seligem Traum träum es zurück! … Ob die Welt dich auch verdamme, deiner Sehnsucht heilige Flamme zwingt die Nacht, durch die du wanderst, zwingt die Furcht, die dich umdroht, lodert auf zu frühlingslichtem ostergoldenem Morgenrot!

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Interpretation

Das Gedicht "Schlaf’, müde Seele" von Cäsar Flaischlen ist ein lyrisches Plädoyer für Ruhe und Erneuerung. Es richtet sich an eine erschöpfte Seele, die von den Lasten des Tages geplagt wird. Der Sprecher fordert die Seele auf, zu schlafen und zu vergessen, um sich von den Sorgen und Verlusten des Tages zu befreien. Die Wiederholung des Schlafes als zentrales Motiv unterstreicht die Bedeutung der Ruhe und des Loslassens. In der zweiten Strophe wird die transformative Kraft des Schlafes betont. Der Sprecher ermutigt die Seele, im Traum das zurückzugewinnen, was im Wachzustand verloren gegangen ist, wie Glauben und Glück. Die Metapher der heiligen Flamme der Sehnsucht symbolisiert die innere Kraft, die die Seele auch in der Dunkelheit der Nacht leitet. Diese Flamme wird als so stark dargestellt, dass sie die Nacht und die Angst bezwingen kann. Der Schluss des Gedichts verweist auf die Hoffnung und das Versprechen eines neuen Tages. Die Flamme der Sehnsucht lodert auf zu einem "frühlingslichtem ostergoldenem Morgenrot", was eine Metapher für Erneuerung und Auferstehung ist. Dies deutet darauf hin, dass der Schlaf nicht nur eine Flucht vor den Problemen des Tages ist, sondern auch eine Vorbereitung auf einen neuen Anfang, der mit Hoffnung und Freude erfüllt ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Schlaf’, müde Seele, daß nichts dich mehr quäle! schlaf und vergiß deines Tagewerks Last! schlaf und vergiß, wie viel du auch heute an Lieb und Freude verloren hast, wie viel es wieder dir Rosen zerriß ... schlaf, müde Seele, schlaf und vergiß!
Hyperbel
deiner Sehnsucht heilige Flamme zwingt die Nacht
Metapher
lodert auf zu frühlingslichtem ostergoldenem Morgenrot
Personifikation
wie viel es wieder dir Rosen zerriß