Schlägerlied
1772(Weise: Schön ist′s, unter freiem Himmel)
Brüder, auf! erhebt die Klingen, Laßt sie hell und freundlich blinken, Stoßt auf ihre Siege an; Lasset uns zu ihrem Preise Lieder weihn nach alter Weise, Denn die Klinge ziert den Mann.
Zu bewahren seine Ehre, Zieht der Bursch die blanke Wehre, Schwingt den Schläger frank und frei; Denn das ist ja Burschenadel, Daß die Ehre ohne Tadel, Ohne Schmach der Name sei.
Ja! wie in der Vorzeit Tagen Darf der freie Bursch es wagen: Fordern seines Feindes Blut. Tief verachtet er den Feigen, Er darf Männerkraft noch zeigen, Darf noch zeigen Heldenmut.
Und im festgeschmückten Saale Bei des Burschen Bundesmahle Blinkt der nie besiegte Stahl, Gibt dem Burschen neue Weihe, Der beim Landesvater Treue Schwur mit klingendem Pokal.
Wird ein altes Haus begleitet, Das mit schwerem Herzen scheidet Aus der lieben Musenstadt: Trägt ein Fuchs, als Waffenträger, Vor ihm her den blanken Schläger, Den er forsch geführet hat.
Ist ein Bruder abgeschieden Dorthin zu dem ew′gen Frieden Bei der alten Väter Schar: Schmücken wir, zur Todesfeier, Seines Sarges schwarze Schleier Mit dem blanken Schlägerpaar.
So in Burschenfreud und -leide Blinkst du, seine Augenweide, Schöner Hieber, in der Luft. Mag′s zu Lust und Trauer führen, Du mußt seine Würde zieren Beim Gelage, bei der Gruft.
Drum so laßt sie freudig blinken, Rufet: Hoch Germanias Klingen, Die noch keiner weichen sah! Selbst dem Teufel gegenüber Ziehn wir blank Germanias Hieber, Fallen aus - pro patria.
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Interpretation
Das Gedicht "Schlägerlied" von Wilhelm Hauff ist ein patriotisches und traditionsbewusstes Werk, das die Bedeutung der "Klinge" für die Burschenschaft und deren Ideale thematisiert. Die "Klinge" steht hier symbolisch für den Schläger, ein traditionelles Duellwaffe der Studentenverbindungen, und repräsentiert Ehre, Mut und Männlichkeit. Das Gedicht beginnt mit einem Aufruf an die Brüder, ihre Klingen zu erheben und auf ihre Siege anzustoßen. Es wird betont, dass die Klinge den Mann ziert und dass es die Pflicht eines Burschen ist, seine Ehre zu bewahren. Dies geschieht durch den Einsatz der blanken Waffe, wobei Feigheit tief verachtet wird und Männlichkeit sowie Heldenmut noch gezeigt werden dürfen. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Klinge als ständiger Begleiter in Freud und Leid der Burschenschaft dargestellt. Sie glänzt bei festlichen Mahlzeiten, wird bei Abschieden von alten Häusern getragen und schmückt sogar die Särge verstorbener Brüder. Die Klinge wird als "Augenweide" und als würdevolles Symbol bei Gelagen und am Grab verehrt. Das Gedicht schließt mit einem patriotischen Aufruf, die Klingen freudig blinken zu lassen und "Hoch Germanias Klingen" zu rufen. Es wird betont, dass diese Klingen noch nie gewichen sind und dass man sie sogar dem Teufel gegenüber ziehen würde, notfalls "pro patria" fallend. Dies unterstreicht den tiefen Sinn für Tradition, Ehre und Vaterlandsliebe, der im Gedicht vermittelt wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Brüder, auf! erhebt die Klingen
- Anapher
- Zu bewahren seine Ehre, Zieht der Bursch die blanke Wehre
- Epipher
- Beim Gelage, bei der Gruft
- Hyperbel
- Die noch keiner weichen sah
- Metapher
- Bei der alten Väter Schar
- Parallelismus
- Schmücken wir, zur Todesfeier, Seines Sarges schwarze Schleier Mit dem blanken Schlägerpaar
- Personifikation
- Blinkt der nie besiegte Stahl
- Rhetorische Frage
- Fordern seines Feindes Blut
- Symbol
- den blanken Schläger