Schläfst du noch...
1170Schläfst du noch, mein schöner Geliebter? Man weckt uns leider bald. Ein hübscher kleiner Vogel hat sich bereits auf den Zweig der Linde gesetzt.
Ich war sanft eingeschlafen, nun rufst du, Kind, auf, auf! Liebe ohne Leid kann es nicht geben. Was immer du befiehlst, das tue ich, meine Freundin.
Die Dame begann zu weinen: Du reitest for und läßt mich allein zurück. Wann wirst du wieder zu mir kommen? Ach, du nimmst mein Glück mit dir fort.
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Interpretation
Das Gedicht "Schläfst du noch..." von Dietmar von Aist thematisiert die vergängliche Natur der Liebe und die damit verbundenen Freuden und Leiden. Der Sprecher weckt seine Geliebte und deutet an, dass sie bald getrennt werden, symbolisiert durch den Vogel auf dem Linde-Zweig, der den Morgen und damit das Ende der gemeinsamen Nacht ankündigt. Die Liebe wird als untrennbar mit Leid verbunden dargestellt, da der Sprecher bereit ist, den Befehlen seiner Freundin zu folgen, selbst wenn dies Trennung bedeutet. Die Dame ihrerseits drückt ihre Trauer über die bevorstehende Trennung aus, indem sie weint und den Abgang des Sprechers beklagt. Sie fühlt sich allein gelassen und sorgt sich um die Zukunft ihrer Beziehung. Die Frage, wann der Sprecher zurückkehren wird, unterstreicht die Unsicherheit und das Verlangen nach Kontinuität in der Liebe. Die Dame sieht in der Trennung einen Verlust ihres Glücks, was die tiefe emotionale Bindung und Abhängigkeit in ihrer Beziehung verdeutlicht. Insgesamt vermittelt das Gedicht die bittersüße Natur der Liebe, die sowohl Freude als auch Schmerz bereitet. Die Bilder des erwachenden Morgens und des Vogels auf dem Zweig symbolisieren den unaufhaltsamen Lauf der Zeit und die damit verbundenen Veränderungen in der Beziehung. Die emotionalen Reaktionen beider Liebenden verdeutlichen die Intensität ihrer Gefühle und die Schwierigkeit, mit Trennungen umzugehen, die in der Liebe unvermeidlich scheinen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ausruf
- Ach, du nimmst mein Glück mit dir fort.
- Direkte Rede
- Du reitest for und läßt mich allein zurück.
- Frage
- Wann wirst du wieder zu mir kommen?
- Kontrast
- Liebe ohne Leid kann es nicht geben.
- Metapher
- Ein hübscher kleiner Vogel hat sich bereits auf den Zweig der Linde gesetzt.
- Personifikation
- Man weckt uns leider bald.
- Wiederholung
- auf, auf!