Schicksalsspruch
1871Unhemmbar rinnt und reißt der Strom der Zeit, in dem wir gleich verstreuten Blumen schwimmen, unhemmbar braust und fegt der Sturm der Zeit, wir riefen kaum, verweht sind unsre Stimmen. Ein kurzer Augenaufschlag ist der Mensch, den ewige Kraft auf ihre Werke tut; ein Blinzeln - der Geschlechter lange Reihn, ein Blick - des Erdballs Werden und Verglut.
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Interpretation
Das Gedicht "Schicksalsspruch" von Christian Morgenstern thematisiert die unaufhaltsame und übermächtige Natur der Zeit. Der erste Teil des Gedichts vergleicht die Menschheit mit Blumen, die hilflos im Strom der Zeit treiben. Dieser Strom ist unaufhaltsam und reißt alles mit sich, was sich ihm in den Weg stellt. Die Stimmen der Menschen verhallen im Sturm der Zeit, noch bevor sie überhaupt gehört werden konnten. Der zweite Teil des Gedichts betont die Kürze des menschlichen Lebens im Vergleich zur Ewigkeit. Der Mensch ist nur ein kurzer Augenaufschlag im Vergleich zur ewigen Kraft, die auf ihre Werke einwirkt. Die Geschlechterfolge erscheint als ein Blinzeln, und die Entwicklung und das Schicksal der Erde sind nur ein flüchtiger Blick in der Unendlichkeit der Zeit. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische und resignative Stimmung. Die Menschen sind der Macht der Zeit ausgeliefert und können ihr nicht entkommen. Sie sind nur ein winziger Teil eines viel größeren Ganzen, das sich unabhängig von ihnen entwickelt. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Vergänglichkeit des Lebens und die Bedeutungslosigkeit des Einzelnen im Angesicht der Ewigkeit an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- braust und fegt
- Hyperbel
- Ein kurzer Augenaufschlag ist der Mensch
- Kontrast
- Ein kurzer Augenaufschlag ist der Mensch, den ewige Kraft auf ihre Werke tut
- Metapher
- der Strom der Zeit
- Personifikation
- ewige Kraft auf ihre Werke tut
- Vergleich
- gleich verstreuten Blumen