Schein und Sein
1888Was heißt denn Schein? Was heißt denn Sein? Das Räthsel, dacht’ ich, ist nicht klein. Da fiel mir eine Probe ein: Das, was der Menge scheint nur Schein, Ist Sein, Und was ihr scheint das wahre Sein, Ist Schein. –
Zum Schein Sag’ Nein! Zum Sein Schlag’ ein, So kannst du glücklich sein. Freundlicher Sterne Schein Obendrein Wird dir zu wünschen sein.
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Interpretation
Das Gedicht "Schein und Sein" von Friedrich Theodor Vischer behandelt die philosophische Frage nach dem Unterschied zwischen Schein und Sein. Vischer deutet an, dass das, was für die Masse nur als Schein erscheint, tatsächlich das Sein ist, während das, was als wahres Sein wahrgenommen wird, in Wirklichkeit nur Schein ist. Diese paradoxe Aussage fordert den Leser heraus, die gängigen Vorstellungen von Realität und Illusion zu hinterfragen. Im zweiten Teil des Gedichts gibt Vischer eine Art Lebensweisheit oder Ratschlag. Er empfiehlt, zu dem zu stehen, was als Schein erscheint, und sich dem zu verweigern, was als Sein gilt. Diese Haltung, so Vischer, kann zu einem glücklichen Leben führen. Der letzte Vers fügt eine optimistische Note hinzu, indem er wünscht, dass zusätzlich zum persönlichen Glück auch der freundliche Schein der Sterne den Menschen begleiten möge. Dies könnte als Metapher für Hoffnung und positive Zukunftsaussichten interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Chiasmus
- Das, was der Menge scheint nur Schein, Ist Sein, Und was ihr scheint das wahre Sein, Ist Schein.
- Frage
- Was heißt denn Schein? Was heißt denn Sein?
- Imperativ
- Sag' Nein! Schlag' ein,
- Kontrast
- Zum Schein / Sag' Nein! / Zum Sein / Schlag' ein,
- Personifikation
- Freundlicher Sterne Schein