Schauder
1871Jetzt bist du da, dann bist du dort. Jetzt bist du nah, dann bist du fort. Kannst du′s fassen? Und über eine Zeit gehen wir beide die Ewigkeit dahin - dorthin. Und was blieb?… Komm, schließ die Augen, und hab mich lieb!
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Interpretation
Das Gedicht "Schauder" von Christian Morgenstern thematisiert die flüchtige und vergängliche Natur der Zeit und des Lebens. Es beschreibt eine Begegnung oder ein Zusammensein, das von einer unbeständigen Präsenz und Abwesenheit geprägt ist. Der Sprecher betont die Unmöglichkeit, diese Erfahrung zu fassen oder zu verstehen, und deutet an, dass beide Personen gemeinsam durch die Ewigkeit gehen, ohne zu wissen, wohin. Die Frage "Und was blieb?" unterstreicht die Vergänglichkeit und den Verlust, der mit der Zeit einhergeht. Die letzte Zeile des Gedichts, "Komm, schließ die Augen, und hab mich lieb!", bietet einen Ausweg aus dieser Ungewissheit und Vergänglichkeit. Sie suggeriert, dass die Liebe und die Intimität, die in einem geschlossenen, innigen Moment entstehen, eine Art von Beständigkeit und Bedeutung schaffen können, die über die Zeit hinausreicht. Das Schließen der Augen symbolisiert dabei eine Abkehr von der äußeren Realität und eine Hinwendung zu einer tieferen, inneren Erfahrung. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung, die von der Erkenntnis der Vergänglichkeit des Lebens und der Zeit geprägt ist. Gleichzeitig bietet es einen Hauch von Hoffnung und Trost durch die Möglichkeit, in der Liebe und der innigen Verbindung mit einem anderen Menschen einen Moment der Ewigkeit zu erfahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Jetzt bist du da, dann bist du dort. Jetzt bist du nah, dann bist du fort.
- Frage
- Kannst du's fassen?
- Imperativ
- Komm, schließ die Augen, und hab mich lieb!
- Kontrast
- Jetzt bist du da, dann bist du dort.
- Metapher
- die Ewigkeit