Schäferlehren

Heinrich Christian Boie

1772

An Bürger. 1772.

Willst du hier in diesen Gründen Freude sonder Ekel finden, Freude sanft und wonniglich, Süßer Freund! so höre mich.

Auf dem saatbekränzten Hügel, An des Teiches klarem Spiegel, Auf der Au, im Buchenwald Ist ihr liebster Aufenthalt.

In des Frühlings Blumenkleide Schwebet leisen Tritts die Freude, Schwebt sie selbst auf dieser Flur, In der Stadt ihr Schatten nur.

Fühlst du in der lauten Irre Dieses Baches, im Geschwirre Dieser Vögel, in dem Kuss Dieses Wests, nicht ihren Gruß?

Bist du nicht dem Kräuterwasen, Nicht den Lämmern, die hier grasen, Nicht dem kleinsten Blümchen hold: Heim zur Stadt und kriech um Gold!

Stille Freude fehlet nimmer, Täuschend ist der lautern Schimmer, Jede Leidenschaft ist Schmerz, Nur die Liebe lohnt ein Herz.

Sie die Mutter alles Schönen, Müße deine Freuden krönen; Doch eh sie die Myrte flicht, Höre was die Weisheit spricht.

Jene Rose lockt zum brechen: Hüte dich! ihr Dorn kann stechen. Jener Busch reizt deinen Sinn: Fleuch! die Natter lauret drinn!

Kann Sie Dorf und Flur verlachen, Wird Sie dich nicht glücklich machen. Die der Schafe spotten kann, Sieht mit Spott den Schäfer an.

Unschuld in der Hütte bilde Dir ein Mädchen gut und milde. Ungesucht und ungesehn Sey sie dir allein nur schön.

Seelenwort sey ihre Rede; Schüchtern blicke sie, nicht spröde, Nicht mir falscher Scham um sich, Und ihr Herz erkenne dich!

Klugheit, deren Schein sie fliehe, Witz, um den sie sich nicht mühe, Sanftes Mitleid, das schon weint, Wenn nur krank ihr Lämmchen scheint,

Einfalt in Geschmack und Sitte, Anmuth in dem kleinsten Schritte, Wahl in Kleidung, Absicht nie, Zier’ und unterscheide sie!

Hast du solch ein Kind gefunden, O so segne deine Stunden! Selig, giebt sie dir die Hand! Gold und Ueppigkeit sind Tand.

Deine Tage zu versüßen, Blühen Blumen, Quellen fließen; Arbeit macht dich froh und frisch, Milch und Brot würzt deinen Tisch.

Elend obenhin vergüldet Ist was sonst der Stolz sich bildet. Wer noch wünschet, ist nicht klug; Was du hast, ist dir genug.

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Illustration zu Schäferlehren

Interpretation

Das Gedicht "Schäferlehren" von Heinrich Christian Boie ist eine Anleitung für den Leser, wie man ein einfaches, aber erfülltes Leben führen kann. Der Dichter betont die Bedeutung von Natur, Liebe und Bescheidenheit als Schlüssel zum Glück. Er ermutigt den Leser, sich von der Stadt und dem Streben nach materiellem Reichtum abzuwenden und stattdessen die Schönheit der Natur zu erkennen und zu genießen. Das Gedicht beginnt mit einer Einladung an den Leser, die Freuden der Natur zu entdecken. Der Dichter beschreibt, wie die Freude in den Gründen, am Teich, auf der Au und im Buchenwald zu finden ist. Er betont, dass die Freude in der Stadt nur ein Schatten ihrer selbst ist. Der Dichter fordert den Leser auf, auf die Geräusche der Natur zu achten und ihre Schönheit zu erkennen. Der Dichter warnt den Leser auch vor den Gefahren, die in der Natur lauern können. Er rät ihm, vorsichtig zu sein und sich nicht von der Schönheit der Rosen oder des Busches täuschen zu lassen. Er ermutigt den Leser auch, ein einfaches Leben zu führen und sich nicht von materiellem Reichtum verführen zu lassen. Stattdessen soll er eine unschuldige und liebevolle Frau finden, die ihn glücklich macht. Das Gedicht endet mit der Betonung der Bedeutung von Arbeit, Zufriedenheit und Liebe. Der Dichter ermutigt den Leser, hart zu arbeiten und die einfachen Freuden des Lebens zu genießen. Er betont, dass materieller Reichtum nicht das Glück bringt und dass man mit dem zufrieden sein sollte, was man hat. Insgesamt ist das Gedicht eine Anleitung für ein einfaches, aber erfülltes Leben, das auf Natur, Liebe und Bescheidenheit basiert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Allegorie
Sie die Mutter alles Schönen, Müße deine Freuden krönen
Alliteration
Schwebet leisen Tritts die Freude
Anapher
Freude sonder Ekel finden, Freude sanft und wonniglich
Befehl
Heim zur Stadt und kriech um Gold!
Beschreibung
Wahl in Kleidung, Absicht nie
Gegenüberstellung
Stille Freude fehlet nimmer, Täuschend ist der lautern Schimmer
Hyperbel
Deine Tage zu versüßen, Blühen Blumen, Quellen fließen
Kontrast
In der Stadt ihr Schatten nur
Metapher
Was du hast, ist dir genug
Personifikation
Auf dem saatbekränzten Hügel, An des Teiches klarem Spiegel, Auf der Au, im Buchenwald Ist ihr liebster Aufenthalt
Rhetorische Frage
Wer noch wünschet, ist nicht klug