Schadenfreude

Johann Wolfgang von Goethe

1749

In des Papillons Gestalt Flattr′ ich, nach den letzten Zügen, Zu den vielgeliebten Stellen, Zeugen himmlischer Vergnügen, Ober Wiesen, an die Quellen, Um den Hügel, durch den Wald.

Ich belausch′ ein zärtlich Paar. Von des schönen Mädchens Haupte Aus den Kränzen schau′ ich nieder; Alles, was der Tod mir raubte, Seh′ ich hier im Bilde wieder, Bin so glücklich, wie ich war.

Sie umarmt ihn lächelnd stumm, Und sein Mund genießt der Stunde, Die ihm güt′ge Götter senden, Hüpft vom Busen zu dem Munde, Von dem Munde zu den Händen, Und ich hüpf′ um ihn herum.

Und sie sieht mich Schmetterling. Zitternd vor des Freunds Verlangen Springt sie auf, da flieg′ ich ferne. “Liebster, komm′, ihn einzufangen! Komm′ ich hätt′ es gar zu gerne, Gern das kleine bunte Ding.”

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Illustration zu Schadenfreude

Interpretation

Das Gedicht "Schadenfreude" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von einem Mann, der als Schmetterling wiedergeboren wurde und seine ehemalige Geliebte bei einem Rendezvous mit einem neuen Liebhaber beobachtet. Der Schmetterling flattert um das Paar herum und erinnert sich an die schönen Momente, die er mit seiner Geliebten geteilt hat. Obwohl er einst gestorben ist und sie verloren hat, findet er eine Art von Glück darin, ihre Liebe aus der Ferne zu beobachten. Die ehemalige Geliebte bemerkt den Schmetterling und bittet ihren neuen Partner, ihn einzufangen. Sie möchte das kleine, bunte Geschöpf gerne für sich haben. Der Schmetterling, der einst ihr Geliebter war, flieht daraufhin davon. Es ist unklar, ob er aus Angst vor dem Einfangen flieht oder weil er die Situation nicht ertragen kann, seine ehemalige Geliebte bei einem Rendezvous mit einem anderen Mann zu sehen. Das Gedicht thematisiert die Idee der Schadenfreude, also der Freude über das Unglück eines anderen. Der Schmetterling findet eine Art von Befriedigung darin, seine ehemalige Geliebte bei einem Rendezvous mit einem neuen Partner zu beobachten, obwohl er einst selbst ihr Geliebter war. Es ist eine bittersüße Situation, in der der Schmetterling sowohl Glück als auch Schmerz empfindet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke zu Schadenfreude

Stilmittel

Alliteration
Ober Wiesen, an die Quellen
Bildsprache
Um den Hügel, durch den Wald
Enjambement
Von des schönen Mädchens Haupte Aus den Kränzen schau′ ich nieder
Ironie
Bin so glücklich, wie ich war
Kontrast
Alles, was der Tod mir raubte, Seh′ ich hier im Bilde wieder
Metapher
In des Papillons Gestalt
Personifikation
Zeugen himmlischer Vergnügen
Rhythmus
Sie umarmt ihn lächelnd stumm
Symbolik
Schmetterling
Wiederholung
Von dem Munde zu den Händen