Sascha
1869Um deine Lippen blüht noch jung der Trotz dunkelrot,
Aber auf deiner Stirne sind meine Gebete vom Sturm verwittert.
Dass wir uns im Leben nie küssen sollten…
Nun bist du der Engel, der auf meinem Grab steht.
Das Atmen der Erde bewegt meinen Leib wie lebendig.
Mein Herz scheint hell vom Rosenblut der Hecken.
Aber ich bin tot, Sascha, und das Lächeln liegt abgepflückt nur noch kurz auf meinem Gesicht.
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Interpretation
Das Gedicht "Sascha" von Else Lasker-Schüler handelt von einer unerfüllten Liebe und dem Tod der Sprecherin. Die Lippen des Geliebten, Sascha, sind noch jung und trotzig, während auf der Stirn der Sprecherin die Gebete vom Sturm verwittert sind. Die beiden konnten sich im Leben nie küssen, und nun steht Sascha als Engel auf dem Grab der Sprecherin. Die Erde atmet und bewegt den Körper der Toten, als wäre er noch lebendig. Das Herz der Sprecherin leuchtet hell vom Rosenblut der Hecken, doch sie selbst ist tot. Das Lächeln liegt nur noch kurz auf ihrem Gesicht, als wäre es abgepflückt. Das Gedicht beschreibt die tiefe Trauer und Sehnsucht der Sprecherin nach ihrem Geliebten Sascha. Die Bilder von Jugend und Trotz auf Saschas Lippen stehen im Kontrast zu den verwitterten Gebeten auf der Stirn der Sprecherin. Die unerfüllte Liebe und die verpasste Gelegenheit zum Küssen werden betont. Die Sprecherin imaginiert Sascha als Engel auf ihrem Grab, was ihre tiefe Verbundenheit und Sehnsucht nach ihm zeigt. Die Naturbilder im Gedicht, wie das Atmen der Erde und das Rosenblut der Hecken, symbolisieren die Lebendigkeit und Schönheit, die die Sprecherin in ihrer Liebe zu Sascha empfunden hat. Doch trotz dieser Lebendigkeit ist die Sprecherin tot und ihr Lächeln nur noch eine flüchtige Erinnerung. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Melancholie und die Unausweichlichkeit des Todes, der die unerfüllte Liebe der Sprecherin zu Sascha beendet hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Das Atmen der Erde bewegt meinen Leib wie lebendig
- Hyperbel
- mein Herz scheint hell vom Rosenblut der Hecken
- Kontrast
- Aber ich bin tot, Sascha, und das Lächeln liegt abgepflückt nur noch kurz auf meinem Gesicht
- Metapher
- Um deine Lippen blüht noch jung der Trotz dunkelrot
- Personifikation
- meine Gebete vom Sturm verwittert
- Symbolik
- der Engel, der auf meinem Grab steht