Sappho

Marie von Najmájer

1854

Ist’s auch nur dein Name allein, der glorreich Weithin durch Jahrtausende herrlich leuchtet, Mit der Menschheit schaffenden Geistes-Helden Ewig verbunden,

Hat das immergrüne Gerank der Sage Auch so reich umschlungen dein Erdendasein, Daß des Antheils forschender Blick es niemals Könnte durchdringen -

Dennoch sei begeistert und freudig dankbar Hoch gepriesen, du, deren edle Stirne Schmückt der einz’ge Kranz, der uns hebt zu Göttern, Jener des Genius!

Ja - du schufst das Lied! an die ersten Töne Feurig - zart, da inneres Leben kündet Auf des Wohllauts Schwingen die gold’ne Lyra - Knüpft sich dein Name!

Ja, du schufst allein aus dir selbst, O Sappho! Während tief barbarische, dumpfe Erdnacht Später viel Jahrhunderte lang so trostlos Hüllte die Menschheit,

Daß das unterjochte Geschlecht der Frauen Kaum begriff, wie schmälich es drückt die Kette, Während jetzt, da lange schon rings es Tag ward, Tausende nimmer

Das Geschlecht zu trennen gelernt vom Geiste - Strahlt aus fernsten Zeiten dein Name siegreich Uns entgegen, hehr wie das ew’ge Sternlicht - Sei uns gepriesen!

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Illustration zu Sappho

Interpretation

Das Gedicht "Sappho" von Marie von Najmájer ist eine Hommage an die antike griechische Lyrikerin Sappho und preist ihre unvergängliche Bedeutung für die Weltliteratur. Die Dichterin betont die zeitlose Glorie von Sapphos Namen, der sich durch Jahrtausende erstreckt und mit den großen Geisteshelden der Menschheit verbunden ist. Sie beschreibt, wie die Sage Sapphos Leben umschlungen hat, sodass ein forschender Blick niemals in der Lage sein wird, die Wahrheit hinter den Legenden zu durchdringen. Trotz der Unklarheit über Sapphos tatsächliches Leben drückt Najmájer ihre Bewunderung und Dankbarkeit für die Lyrikerin aus. Sie vergleicht Sapphos Stirn mit einem Kranz, der sie zu den Göttern erhebt, und betont, dass Sappho allein aus sich selbst heraus das Lied schuf. In einer Zeit, als die Menschheit von barbarischer Dunkelheit umgeben war und Frauen unterdrückt wurden, schuf Sappho ihre Poesie, die bis heute strahlt wie das ewige Sternenlicht. Das Gedicht hebt die Bedeutung Sapphos als Wegbereiterin für die Frauenliteratur hervor und würdigt ihre Fähigkeit, in einer Zeit, in der Frauen unterdrückt waren, ihre Stimme zu erheben und ihre Kunst zu schaffen. Najmájer betont, dass Sapphos Name siegreich aus den fernsten Zeiten zu uns herüberstrahlt und dass ihre Schöpfungen auch heute noch von uns gepriesen werden.

Schlüsselwörter

name allein menschheit gepriesen schufst während geschlecht glorreich

Wortwolke

Wortwolke zu Sappho

Stilmittel

Alliteration
Strahlt aus fernsten Zeiten
Allusion
Sternlicht
Anapher
Ja, du schufst allein aus dir selbst
Hyperbel
Hehr wie das ew'ge Sternlicht
Metapher
Gold'ne Lyra
Personifikation
Tausende nimmer