Sappho

Wolfgang Borchert

1921

Sieh, all dein Öffnen an das Leben war ein Lieben und ein trunknes Hingegeben. O nimm den Bruder mit vor den Altar! Wie Götter sich die Früchte zueinander heben,

so küsst ihr euch. Zu den Plejaden hinlacht die Seligkeit, die ihr beginnt. Nun lösen Kleider sich an den Gestaden, und Meer um schmale, weiße Brüste rinnt.

Hell perlend aus den kühlen Wellen steigt auf ein Singen: Liebeslieder! Und Düfte zart von euren Leibern quellen - o küsst, ihr Töchter, Sapphos schöne Glieder!

Da schreitest du, o Göttin, selig hin - geliebt und liebend - und hast allen Sinn.

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Illustration zu Sappho

Interpretation

Das Gedicht "Sappho" von Wolfgang Borchert beschreibt eine leidenschaftliche und sinnliche Liebesnacht. Es beginnt mit einem Aufruf an Sappho, ihren Bruder vor den Altar zu nehmen, was auf eine Art von Ritual oder Initiation hindeutet. Die Liebenden werden als Götter dargestellt, die sich gegenseitig die Früchte reichen, was auf eine göttliche oder transzendente Natur ihrer Liebe hindeutet. Die zweite Strophe beschreibt die körperliche Intimität der Liebenden, die sich an den Gestaden treffen und sich gegenseitig küssen. Die Kleider lösen sich auf und das Meer rinnt um ihre weißen Brüste, was auf eine Art von Verschmelzung mit der Natur und dem Elementaren hindeutet. Die dritte Strophe beschreibt das Singen und die Düfte, die aus den kühlen Wellen aufsteigen, was auf eine Art von Ekstase oder Rausch hindeutet. Sappho wird als Göttin dargestellt, die selig und geliebt ist und allen Sinn hat. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre von Leidenschaft, Sinnlichkeit und Transzendenz. Es beschreibt eine Art von Liebesnacht, die als Ritual oder Initiation dient und die Liebenden in einen Zustand der Ekstase oder des Rausches versetzt. Die Sprache ist sehr bildhaft und sinnlich, und es gibt viele Anspielungen auf die Natur und die Elemente.

Schlüsselwörter

küsst sieh all öffnen leben lieben trunknes hingegeben

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Stilmittel

Bildsprache
Nun lösen Kleider sich an den Gestaden, und Meer um schmale, weiße Brüste rinnt.
Metapher
Da schreitest du, o Göttin, selig hin - geliebt und liebend - und hast allen Sinn.
Personifikation
Und Düfte zart von euren Leibern quellen.
Vergleich
Wie Götter sich die Früchte zueinander heben, so küsst ihr euch.