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Sappho an Eranna

Von

Unruh will ich über dich bringen,
schwingen will ich dich, umrankter Stab.
Wie das Sterben will ich dich durchdringen
und dich weitergeben wie das Grab
an das Alles: allen diesen Dingen.

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Gedicht: Sappho an Eranna von Rainer Maria Rilke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Sappho an Eranna“ von Rainer Maria Rilke ist eine kurze, aber intensive Reflexion über die Erfahrung von Verlust und die Weitergabe von Leid. Es ist ein sehr persönlicher und introspektiver Text, der eine Verbindung zwischen dem Ich und einer anderen Person (Eranna) herstellt, möglicherweise in einem Kontext von Trauer und Abschied.

Die ersten beiden Zeilen beschreiben eine aktive und kraftvolle Geste. „Unruh will ich über dich bringen, / schwingen will ich dich, umrankter Stab.“ Hier wird die Unruhe, die mit dem Verlust verbunden ist, direkt auf die Adressatin übertragen. Der „umrankte Stab“ könnte ein Symbol für das Leben oder die Person selbst sein, die von den Emotionen der Rednerin umschlungen und beeinflusst wird. Durch das „Schwingen“ wird eine Bewegung des Übergangs oder der Veränderung angedeutet, vielleicht eine Metapher für den Prozess des Loslassens.

In den folgenden Zeilen offenbart sich der zentrale Gedanke des Gedichts: die Durchdringung des Sterbens und die Weitergabe an das „Alles“. „Wie das Sterben will ich dich durchdringen / und dich weitergeben wie das Grab / an das Alles: allen diesen Dingen.“ Das „Sterben“ wird hier nicht als Ende, sondern als Prozess der Transformation gesehen. Die Rednerin möchte die Erfahrung des Sterbens, die tiefe Trauer oder den Verlust, durchleben und die geliebte Person auf diese Weise „durchdringen“. Das Grab wird hier als Übergangsstelle zur Gesamtheit, zum „Alles“ verstanden, und die Weitergabe deutet auf einen Abschied, der jedoch gleichzeitig eine Form der Verbindung darstellt.

Die letzten Worte unterstreichen die Universalität dieser Erfahrung. Indem die Person an das „Alles“ weitergegeben wird, wird die Individualität aufgehoben und in einen größeren Kreislauf eingebettet. Das Gedicht drückt somit die Erkenntnis aus, dass Verlust und Abschied untrennbar mit dem Leben verbunden sind und dass der Schmerz in etwas Größeres, Umfassenderes eingeht. Die Sprache ist von einer starken Sinnlichkeit und Intensität geprägt, die die emotionale Tiefe der Erfahrung widerspiegelt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.