Sapphische Ode

Hans Schmidt

1884

Rosen brach ich nachts mir am dunklen Hage; Süßer hauchten Duft sie als je am Tage, Doch verstreuten reich die bewegten Äste, Tau, der mich näßte.

Auch der Küsse Hauch mich wie nie berückte, Den ich nachts vom Strauch deiner Lippen pflückte: Doch auch dir, bewegt im Gemüt, gleich jenen, Tauten die Tränen.

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Interpretation

Das Gedicht "Sapphische Ode" von Hans Schmidt ist eine tiefgründige Reflexion über die Natur der Liebe und der Sehnsucht. Es verwendet das Bild der Nacht als eine Zeit, in der die Sinne geschärft und die Emotionen intensiver sind. Die Nacht wird als ein Raum dargestellt, in dem die üblichen Grenzen und Beschränkungen des Tages verschwinden, was eine tiefere und authentischere Erfahrung ermöglicht. In der ersten Strophe vergleicht der Sprecher die Rosen, die er nachts pflückt, mit denen des Tages. Die Rosen der Nacht sind süßer und intensiver, aber auch feuchter, was auf eine gewisse Unberechenbarkeit und Tiefe der nächtlichen Erfahrung hindeutet. Dies könnte als Metapher für die Liebe dienen, die in der Dunkelheit der Nacht intensiver und authentischer sein kann. Die zweite Strophe setzt dieses Thema fort, indem sie die Küsse beschreibt, die der Sprecher von den Lippen seiner Geliebten pflückt. Auch hier ist die nächtliche Erfahrung intensiver und bewegender als die des Tages. Der letzte Vers deutet an, dass auch die Geliebte, bewegt von den Emotionen der Nacht, Tränen vergießt. Dies könnte als Zeichen der tiefen emotionalen Verbindung und des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Liebenden interpretiert werden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Wertschätzung für die Intensität und Authentizität der nächtlichen Erfahrungen, insbesondere im Kontext der Liebe. Es legt nahe, dass die Nacht einen Raum bietet, in dem die Liebe tiefer und wahrer erlebt werden kann, ungeachtet der Unsicherheiten und Herausforderungen, die sie mit sich bringen kann.

Schlüsselwörter

nachts rosen brach dunklen hage süßer hauchten duft

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Stilmittel

Bildsprache
Tau, der mich näßte
Metapher
den ich nachts vom Strauch deiner Lippen pflückte
Parallelismus
Doch auch dir, bewegt im Gemüt, gleich jenen, Taubten die Tränen
Personifikation
Süßer hauchten Duft sie als je am Tage
Symbolik
Tau, der mich näßte
Vergleich
Auch der Küsse Hauch mich wie nie berückte