Sankt Sebastian
1875Wie ein Liegender so steht er, ganz hingehalten von dem großen Willen. Weitentrückt wie Mütter, wenn sie stillen, und in sich gebunden wie ein Kranz.
Und die Pfeile kommen: jetzt und jetzt als sprängen sie aus seinen Lenden, eisern bebend mit den freien Enden. Doch er lächelt dunkel, unverletzt.
Einmal nur wird seine Trauer groß, und die Augen liegen schmerzlich bloß, bis sie etwas leugnen, wie Geringes, und ließen sie verächtlich los die Vernichter eines schönen Dinges.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Sankt Sebastian" von Rainer Maria Rilke beschreibt die Figur des Heiligen Sebastian, der als Märtyrer für seinen Glauben bekannt ist. Das Gedicht zeichnet ein Bild von Sebastian als jemandem, der in einer Haltung der Hingabe und des Willens steht, ähnlich einer stillenden Mutter oder einem Kranz, der in sich selbst gebunden ist. Die Pfeile, die auf ihn geschossen werden, kommen immer wieder, als würden sie aus seinem eigenen Körper entspringen. Doch Sebastian bleibt unversehrt und lächelt dunkel, als ob er von etwas Tieferem durchdrungen wäre. Nur einmal überkommt ihn eine große Trauer, und seine Augen legen eine schmerzliche Blöße an den Tag. Doch dann leugnen sie etwas Geringes und lassen die Vernichter eines schönen Dinges verächtlich los. Das Gedicht vermittelt eine starke Symbolik und Metaphern, die die spirituelle und emotionale Tiefe der Figur des Heiligen Sebastian zum Ausdruck bringen. Es zeigt ihn als jemanden, der in seiner Hingabe und seinem Glauben unerschütterlich bleibt, selbst angesichts von Schmerz und Verfolgung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- eisern bebend mit den freien Enden
- Bildsprache
- und die Augen liegen schmerzlich bloß
- Hyperbel
- als sprängen sie aus seinen Lenden
- Metapher
- und ließen sie verächtlich los die Vernichter eines schönen Dinges
- Personifikation
- bis sie etwas leugnen, wie Geringes
- Vergleich
- und in sich gebunden wie ein Kranz