Sahst du das wunderbare Bild von Brouwer?

Wilhelm Busch

1870

Sahst du das wunderbare Bild von Brouwer? Es zieht dich an, wie ein Magnet. Du lächelst wohl, derweil ein Schreckensschauer Durch deine Wirbelsäule geht.

Ein kühler Dokter öffnet einem Manne Die Schwäre hinten im Genick; Daneben steht ein Weib mit einer Kanne, Vertieft in dieses Mißgeschick.

Ja, alter Freund, wir haben unsre Schwäre Meist hinten. Und voll Seelenruh Drückt sie ein andrer auf. Es rinnt die Zähre, Und fremde Leute sehen zu.

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Interpretation

Das Gedicht "Sahst du das wunderbare Bild von Brouwer?" von Wilhelm Busch thematisiert die menschliche Verletzlichkeit und die oft unangenehme Realität des Lebens. Es beginnt mit der Beschreibung eines Gemäldes von Adriaen Brouwer, das den Betrachter auf paradoxe Weise fesselt – es zieht ihn an, während es gleichzeitig einen Schauer der Furcht durch seinen Körper jagt. Dies deutet darauf hin, dass Kunst oft die Fähigkeit hat, uns in ihren Bann zu ziehen, selbst wenn sie uns unangenehme oder schmerzhafte Wahrheiten vor Augen führt. Das Gedicht setzt sich fort, indem es die Szene auf dem Gemälde beschreibt: Ein Arzt öffnet einem Mann eine Eiterbeule am Hinterkopf, während eine Frau mit einer Kanne danebensteht und sich in das Geschehen vertieft. Diese Szene symbolisiert die alltäglichen Leiden und Unannehmlichkeiten des Lebens, die oft von anderen beobachtet oder miterlebt werden. Die Anwesenheit der Frau mit der Kanne könnte als Metapher für diejenigen dienen, die in solchen Situationen Unterstützung oder Trost bieten, auch wenn sie selbst von dem Schmerz oder der Peinlichkeit des Moments betroffen sind. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die allgemeine menschliche Erfahrung. Er stellt fest, dass jeder Mensch seine eigenen "Schwären" hat, die meist verborgen bleiben und von anderen aufgedrückt werden. Die Träne, die fließt, und die fremden Leute, die zusehen, unterstreichen die Idee, dass Leiden und Schwächen oft öffentlich gemacht werden, auch wenn wir sie lieber verbergen würden. Das Gedicht endet mit einer resignierten, aber auch weisen Erkenntnis über die Unvermeidlichkeit menschlicher Schwächen und die Rolle, die andere in unserem Leben spielen, sei es als Helfer oder als Zeugen unseres Leidens.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Ein kühler Dokter öffnet einem Manne die Schwäre hinten im Genick
Ironie
Ja, alter Freund, wir haben unsre Schwäre meist hinten
Metapher
Es zieht dich an, wie ein Magnet
Personifikation
derweil ein Schreckensschauer durch deine Wirbelsäule geht
Symbolik
Zähre, die rinnt