Saget mir ieman, waz ist minne?
1170Saget mir ieman, waz ist minne? weiz ich des ein teil, sô wist ichs gerne mê. der sich baz denn ich versinne, der berihte mich durch waz si tuot sô wê. minne ist minne, tuot si wol: tuot si wê, so enheizet si niht rehte minne. sus enweiz ich wie si danne heizen sol.
Obe ich rehte râten künne waz diu minne sî, sô sprechet denne jâ. minne ist zweier herzen wünne: teilent sie gelîche, sost diu minne dâ: sol abe ungeteilet sîn, sô enkans ein herze alleine niht enthalten. owê woldest dû mir helfen, frowe mîn!
Frowe, ich trage ein teil ze swaere: wellest dû mir helfen, sô hilf an der zît. sî abe ich dir gar unmaere, daz sprich endelîche: so lâz ich den strît, unde wirde ein ledic man. dû solt aber einez rehte wizzen, frouwe, daz dich lützel ieman baz geloben kan.
Kan mîn frowe süeze siuren? waenet si daz ich ir liep gebe umbe leit? sol ich si dar umbe tiuren, daz siz wider kêre an mîne unwerdekeit? sô kund ich unrehte spehen. wê waz sprich ich ôrenlôser ougen âne? den diu minne blendet, wie mac der gesehen?
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Saget mir ieman, waz ist minne?" von Walther von der Vogelweide ist ein Minnelied, das sich mit der Natur und dem Wesen der Liebe auseinandersetzt. Der Sprecher fragt zu Beginn nach der Definition der Liebe und gibt zu, dass er zwar einen Teil davon kennt, aber gerne mehr darüber erfahren möchte. Er betont, dass wahre Liebe sowohl Freude als auch Leid bringen kann, und stellt die Frage, wie Liebe dann eigentlich definiert werden soll. Im zweiten Teil des Gedichts versucht der Sprecher, die Liebe zu definieren. Er beschreibt sie als die Freude zweier Herzen, die sich gegenseitig teilen. Wenn die Liebe nicht geteilt wird, kann ein Herz allein nicht ausreichen. Der Sprecher bittet seine Geliebte um Hilfe, da er einen Teil der Last der Liebe nicht allein tragen kann. Er verspricht, den Streit aufzugeben und ein freier Mann zu werden, wenn sie ihm versichert, dass er ihr nicht zur Last fällt. Im letzten Teil des Gedichts stellt der Sprecher die Frage, ob seine Geliebte süße Qualen ertragen kann. Er fragt sich, ob er sie um des Leids willen verlassen soll, wenn sie sich aufgrund seiner Unwürdigkeit von ihm abwendet. Er erkennt, dass er dann Unrecht tun würde. Der Sprecher beschreibt sich selbst als jemanden, der von der Liebe geblendet ist und nicht mehr klar sehen kann. Er fragt sich, wie jemand, der von der Liebe geblendet ist, überhaupt noch sehen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- sô sprich endelîche: so lâz ich den strît, unde wirde ein ledic man
- Bildlichkeit
- Kan mîn frowe süeze siuren?
- Frage
- Saget mir ieman, waz ist minne?
- Hyperbel
- daz dich lützel ieman baz geloben kan
- Kontrast
- tuot si wol: tuot si wê
- Metapher
- minne ist zweier herzen wünne
- Parallelismus
- teilent sie gelîche, sost diu minne dâ
- Personifikation
- den diu minne blendet
- Rhetorische Frage
- waenet si daz ich ir liep gebe umbe leit?
- Wiederholung
- minne ist minne, tuot si wol: tuot si wê, so enheizet si niht rehte minne