Sängers Abschied
1759Die Muse schweigt; mit jungfräulichen Wangen, Erröten im verschämten Angesicht, Tritt sie vor dich, ihr Urteil zu empfangen; Sie achtet es, doch fürchtet sie es nicht. Des Guten Beifall wünscht sie zu erlangen, Den Wahrheit rührt, den Flimmer nicht besticht; Nur wem ein Herz, empfänglich für das Schöne, Im Busen schlägt, ist wert, dass er sie kröne.
Nicht länger wollen diese Lieder leben, Als bis ihr Klang ein fühlend Herz erfreut, Mit schönern Phantasien es umgeben, In höheren Gefühlen es geweiht; Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben, Sie tönten, sie verhallen in der Zeit. Des Augenblickes Lust hat sie geboren, Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.
Der Lenz erwacht, auf den erwärmten Triften Schießt frohes Leben jugendlich hervor, Die Staude würzt die Luft mit Nektardüften, Den Himmel füllt ein muntrer Sängerchor, Und Jung und Alt ergeht sich in den Lüften, Und freuet sich und schwelgt mit Aug′ und Ohr. Der Lenz entflieht! Die Blume schießt in Samen, Und keine bleibt von allen, welche kamen.
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Interpretation
Das Gedicht "Sängers Abschied" von Friedrich von Schiller handelt von der Vergänglichkeit der Kunst und des Lebens. Die Muse, personifiziert als jungfräuliche Gestalt, tritt dem Sänger gegenüber, um ihr Urteil zu empfangen. Sie wünscht sich den Beifall derer, die für das Schöne empfänglich sind, und fürchtet sich nicht vor Kritik. Die Lieder des Sängers sollen nur so lange leben, wie sie ein fühlendes Herz erfreuen und in höhere Gefühle versetzen. Sie sind nicht für die Nachwelt bestimmt, sondern für den gegenwärtigen Augenblick. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den Frühling als Symbol für die Vergänglichkeit. Das Leben erwacht, die Natur erblüht und die Menschen freuen sich an den Schönheiten der Jahreszeit. Doch der Frühling ist flüchtig, die Blumen vergehen und keine bleibt von allen, die kamen. Auch die Lieder des Sängers sind wie der Frühling vergänglich und werden mit der Zeit verhallen. Das Gedicht reflektiert über die Vergänglichkeit von Kunst und Leben. Der Sänger akzeptiert, dass seine Lieder nicht ewig bestehen werden, sondern nur für den gegenwärtigen Augenblick bestimmt sind. Die Muse symbolisiert die Inspiration und die Vergänglichkeit der künstlerischen Schöpfung. Der Frühling steht als Metapher für die Vergänglichkeit des Lebens und die Unausweichlichkeit des Wandels.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Flimmer nicht besticht
- Kontrast
- Und keine bleibt von allen, welche kamen
- Metapher
- Der Lenz entflieht! Die Blume schießt in Samen
- Personifikation
- Den Himmel füllt ein muntrer Sängerchor