Ruhe des Herzens

Otto Ernst

1862

Wie heimlich glüht ein Bild aus langer Dämm´rung: Ein Sommerabend war´s Im Heimatdorfe; Noch lag ein Sonnenhauch Auf Dach und Giebeln, Und hell stand schon der Mond In leeren Straßen. Der Nachbar sprach ein Wort Von Tau und Regen, Er sprach zu seinem Weib Drin in der Kammer; Er zog das Fenster an, Es klang der Riegel; Ein erstes Sternlein trat Aus lichtem Dunkel. Aus fernen Gärten klang Ein Mädchenlachen; Ein letzter Nachhall dann Und letzte Stille. Und all die Sommerwelt Ging wie ein Atem Geruhig ein und aus Durch meine Lippen.-

Nun weiß ich´s, da mein Haar Beginnt zu bleichen: Was damals ich geatmet, war Das Glück.

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Illustration zu Ruhe des Herzens

Interpretation

Das Gedicht "Ruhe des Herzens" von Otto Ernst erzählt von einem nostalgischen Erinnerungsbild eines Sommerabends im Heimatdorf. Die Szene wird in sanften, leuchtenden Farben gemalt: ein Nachbar spricht von Tau und Regen, ein Mädchenlachen erklingt aus fernen Gärten, und die Welt atmet ruhig und gelassen. Die Bilder sind durchzogen von einer tiefen Stille und Geborgenheit, die den Moment zu etwas Besonderem machen. Der Dichter erinnert sich an diese Szene, als sein Haar zu bleichen beginnt, also im Alter. Er erkennt, dass das, was er damals unwillkürlich eingeatmet hat, das Glück war. Die Ruhe und die Zufriedenheit, die er in diesem Moment empfand, waren das wahre Glück, das er erst im Rückblick voll erfassen kann. Die Interpretation legt nahe, dass das Gedicht die Vergänglichkeit des Lebens und die Bedeutung von Momenten der Stille und Einkehr thematisiert. Es zeigt, wie Erinnerungen an vergangene Zeiten im Alter an Bedeutung gewinnen und wie die wahre Natur des Glücks oft erst im Nachhinein erkannt wird.

Schlüsselwörter

sprach klang heimlich glüht bild langer dämm rung

Wortwolke

Wortwolke zu Ruhe des Herzens

Stilmittel

Alliteration
Ein erstes Sternlein trat Aus lichtem Dunkel
Bildsprache
Und hell stand schon der Mond In leeren Straßen
Kontrast
Ein Mädchenlachen; Ein letzter Nachhall dann Und letzte Stille
Metapher
Und all die Sommerwelt Ging wie ein Atem Geruhig ein und aus Durch meine Lippen
Personifikation
Noch lag ein Sonnenhauch Auf Dach und Giebeln
Symbolik
Nun weiß ich's, da mein Haar Beginnt zu bleichen: Was damals ich geatmet, war Das Glück