Ruh und Schweigen

Georg Trakl

1913

Hirten begruben die Sonne im kahlen Wald. Ein Fischer zog In härenem Netz den Mond aus frierendem Weiher.

In blauem Kristall Wohnt der bleiche Mensch, die Wang′ an seine Sterne gelehnt; Oder er neigt das Haupt in purpurnem Schlaf.

Doch immer rührt der schwarze Flug der Vogel Den Schauenden, das Heilige blauer Blumen, Denkt die nahe Stille Vergessenes, erloschene Engel.

Wieder nachtet die Stirne in mondenem Gestein; Ein strahlender Jüngling Erscheint die Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung.

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Illustration zu Ruh und Schweigen

Interpretation

Das Gedicht "Ruh und Schweigen" von Georg Trakl ist eine tief melancholische und mystische Betrachtung der menschlichen Existenz und der Vergänglichkeit des Lebens. Die ersten Strophen beschreiben eine düstere, fast schon surreale Szenerie, in der Natur und Mensch in einer Art symbolischem Tanz verschmelzen. Die Sonne wird von Hirten im kahlen Wald begraben, während ein Fischer den Mond aus einem kalten Weiher zieht. Diese Bilder deuten auf einen Übergang hin, möglicherweise von Tag zu Nacht oder von Leben zu Tod, und schaffen eine Atmosphäre der Stille und des Abschieds. In der zweiten Strophe wird der "bleiche Mensch" in einem blauen Kristall vorgestellt, der sich an seine Sterne lehnt oder in purpurnem Schlaf sein Haupt neigt. Dies könnte als Metapher für die Isolation und die Sehnsucht des Menschen nach dem Transzendenten oder dem Göttlichen interpretiert werden. Die Sterne könnten als Symbole für Hoffnung oder Erinnerung dienen, während der purpurne Schlaf auf eine Art von Tod oder Vergessenheit hindeutet. Die Stimmung ist hier von einer tiefen Ruhe und einem resignierten Akzeptieren des Schicksals geprägt. Die letzte Strophe bringt eine leichte Bewegung in die Szene, als der "schwarze Flug der Vogel" den Schauenden rührt und die "Heilige blauer Blumen" erwähnt wird. Dies könnte auf die Vergänglichkeit und die Schönheit des Lebens hinweisen, die trotz allem Bestehen bleibt. Die Erwähnung von "erloschenen Engeln" und der "nahe Stille" verstärkt das Gefühl von Verlust und Sehnsucht. Der "strahlende Jüngling", der als Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung erscheint, könnte als Symbol für die zyklische Natur des Lebens und des Todes gesehen werden, wobei der Herbst als Zeit des Verfalls und der Transformation steht. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Reflexion über die menschliche Existenz, die von Stille, Verlust und der Suche nach Bedeutung in einer vergänglichen Welt geprägt ist.

Schlüsselwörter

hirten begruben sonne kahlen wald fischer zog härenem

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Doch immer rührt der schwarze Flug der Vogel
Bildlichkeit
In blauem Kristall Wohnt der bleiche Mensch, die Wang′ an seine Sterne gelehnt
Metapher
Wieder nachtet die Stirne in mondenem Gestein
Personifikation
Denkt die nahe Stille Vergessenes, erloschene Engel
Symbolik
Ein strahlender Jüngling Erscheint die Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung