Ruf zum Sport
1883Auf ihr steifen und verdorrten Leute aus Büros, Reißt euch mal zum Wintersporten Von den Öfen los.
Bleiches Volk an Wirtshaustischen, Stellt die Gläser fort. Widme dich dem freien, frischen, Frohen Wintersport.
Denn er führt ins lodenfreie Gletscherfexlertum Und bedeckt uns nach der Reihe All mit Schnee und Ruhm.
Doch nicht nur der Sport im Winter, Jeder Sport ist plus, Und mit etwas Geist dahinter Wird er zum Genuss.
Sport macht Schwache selbstbewusster, Dicke dünn, und macht Dünne hinterher robuster, Gleichsam über Nacht.
Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, Kürzt die öde Zeit, Und er schützt uns durch Vereine Vor der Einsamkeit,
Nimmt den Lungen die verbrauchte Luft, gibt Appetit; Was uns wieder ins verrauchte Treue Wirtshaus zieht.
Wo man dann die sporttrainierten Muskeln trotzig hebt Und fortan in illustrierten Blättern weiterlebt.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Ruf zum Sport" von Joachim Ringelnatz ist ein leidenschaftlicher Appell an die Menschen, sich mehr zu bewegen und Sport zu treiben. Ringelnatz richtet sich dabei vor allem an Büroangestellte und Gaststättenbesucher, die er als "steife und verdorrte" bzw. "bleiche" Personen beschreibt. Er fordert sie auf, sich vom bequemen Ofen oder Wirtshaustisch zu erheben und sich dem Wintersport zu widmen. Ringelnatz preist den Sport als etwas, das den Menschen guttut und sie verändert. Er beschreibt, wie der Sport Schwache selbstbewusster macht, Dicke dünner und Dünne robuster. Darüber hinaus stärkt er Arme, Rumpf und Beine, verkürzt die öde Zeit und schützt vor Einsamkeit durch Vereine. Der Sport bringt frische Luft in die Lungen und regt den Appetit an, was die Menschen wieder in die Wirtshäuser treibt. Das Gedicht endet mit einer humorvollen Anspielung darauf, dass die sportlich trainierten Menschen anschließend in den Illustriertenblättern weiterleben, was auf einen gewissen Ruhm oder Bekanntheitsgrad hindeutet. Ringelnatz verwendet dabei einen spielerischen und leicht ironischen Ton, der den Appell zum Sport unterhaltsam und einprägsam macht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bleiches Volk an Wirtshaustischen
- Anapher
- Reißt euch mal zum Wintersporten / Von den Öfen los. / Bleiches Volk an Wirtshaustischen, / Stellt die Gläser fort. / Widme dich dem freien, frischen, / Frohen Wintersport.
- Hyperbel
- Dünne hinterher robuster, / Gleichsam über Nacht.
- Ironie
- Und er schützt uns durch Vereine / Vor der Einsamkeit, / Nimmt den Lungen die verbrauchte / Luft, gibt Appetit; / Was uns wieder ins verrauchte / Treue Wirtshaus zieht.
- Kontrast
- Schwache selbstbewusster, / Dicke dünn, und macht / Dünne hinterher robuster
- Metapher
- Gletscherfexlertum
- Parallelismus
- Sport macht Schwache selbstbewusster, / Dicke dünn, und macht / Dünne hinterher robuster
- Personifikation
- Schnee und Ruhm