Rückkehr auf sich selbst
1835Meer, das hell den schimmernden Aether spiegelt, Sanft die Wälder röthlicher Küsten gürtend, Mich vergebens lockst du mit deinen süßen Schmeichelnden Tönen!
Vormals lauscht′ ich gerne den süßen Tönen, Als noch Kraft und Hoffnung mich rings umblühten, Und die Rosenknospe der süßen Liebe Kränzte die Leier.
Ruhmeslieb′ und goldene Sternenkränze, Lorbeerzweig′ und süßere Myrtenkronen, Reiner Lieb′ und himmlischer Freundschaft Palmen, Winkten mir strahlend!
Kühn entgegen dem hohen Ziele stürzt′ ich, Daß mir Staub die bräunliche Lock′ umwallte! Achtend nicht des niederen Hohnes trüber, Feindlicher Geister!
Meine Palmen hat mir des Freundes Untreu′, Lorbeer mir, und Myrtengesproß gewelket; An die falbe Weide der Thränen hing ich Klagend die Leier!
D′rum vergebens lockest du nun, o Meer, mich, Und du holdumblüheter Hain der Wonne, Wo die bunte Fülle der gold′nen Äpfel Trügerisch winket!
Mir gegrüßet seyd ihr, o grünen Thale, Sanft durchwallt vom rieselnden Silberbache; Wo im Schooß des Friedens mir tiefe Stille Hüllet den Busen!
Sanftgeneigter Ölbaum, in deinem Schatten Wandelt ernst die Weisheit! dort wohnt der Frieden; Und mir schöpf′ ich fürder aus eig′nem Busen Fülle des Lebens!
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Interpretation
Das Gedicht "Rückkehr auf sich selbst" von Friederike Sophie Christiane Brun beschreibt eine emotionale Reise von der Anziehungskraft der äußeren Welt zur inneren Ruhe und Selbstfindung. Anfangs wird die Verlockung des Meeres und seiner süßen Töne beschrieben, die den Sprecher einst mit Kraft und Hoffnung erfüllten. Die Bilder von Ruhm, Liebe und Freundschaft, symbolisiert durch Lorbeer, Myrte und Palmen, erscheinen strahlend und verheißungsvoll. Doch die kühnen Bestrebungen des Sprechers werden durch die Untreue eines Freundes und das Welken der Lorbeer- und Myrtenzweige zunichte gemacht, was zu tiefer Trauer und Enttäuschung führt. Die äußere Welt, repräsentiert durch das Meer und den üppigen Hain, verliert ihre Anziehungskraft, da sie nur noch trügerische Versprechungen hält. Stattdessen findet der Sprecher Trost und Erfüllung in der Stille und dem Frieden der grünen Täler. Die sanfte Umgebung, durchzogen von einem silbernen Bach, bietet einen Zufluchtsort für die Seele. Der Ölbaum, unter dessen Schatten die Weisheit wandelt, symbolisiert die innere Ruhe und den Frieden, die der Sprecher nun in sich selbst findet. Letztendlich betont das Gedicht die Bedeutung der Rückkehr zu sich selbst und der Entdeckung innerer Fülle. Der Sprecher schöpft aus seinem eigenen Busen das Leben und die Zufriedenheit, die er einst vergeblich in der äußeren Welt suchte. Diese Transformation von der äußeren Suche zur inneren Ruhe und Selbstgenügsamkeit ist der zentrale Gedanke des Gedichts und vermittelt eine tiefe Botschaft über die wahre Quelle des Glücks und der Erfüllung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Und mir schöpf′ ich fürder aus eig′nem Busen Fülle des Lebens
- Personifikation
- Meer, das hell den schimmernden Aether spiegelt, Sanft die Wälder röthlicher Küsten gürtend