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Rückblick

Von

Nein! begreifen kann und fassen
Ich den eig′nen Wahnsinn nicht!
Warum hab′ ich dich verlassen,
Meiner Seele Luft und Licht?

Strahlten deine Augensterne
Mich nicht an, voll milder Pracht?
Warum zog ich in die Ferne,
In die kalte, finst′re Nacht?

Als das Schicksal uns′re beiden
Herzen sich begegnen ließ,
War′s, als ob mit ernsten Eiden
Es den Himmel uns verhieß.

Warum habe ich, verblendet
Wählend Schmerz und Finsterniß,
Frevelnd mich von dir gewendet
Dem ersehnten Paradies,

Um, wo gift′ge Pfeile schwirren,
Um auf wild empörtem Meer,
Qualvoll, ruhelos zu irren
Ein verfluchter Ahasver!

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Gedicht: Rückblick von Betty Paoli

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Rückblick“ von Betty Paoli ist ein tiefgreifender Ausdruck von Reue und Selbstanklage, die aus der Perspektive einer Person geschrieben wurde, die eine entscheidende, verhängnisvolle Entscheidung in ihrem Leben getroffen hat. Die Autorin reflektiert über den Verlust einer geliebten Person, die sie verlassen hat, und hinterfragt die Beweggründe, die zu dieser Trennung führten. Die verwendete Sprache ist intensiv und voller Emotionen, was die Verzweiflung und den Schmerz der Sprecherin deutlich macht.

Das Gedicht beginnt mit einer verzweifelten Frage, warum die Sprecherin ihren Geliebten verlassen hat, „Meiner Seele Luft und Licht“. Die rhetorischen Fragen durchziehen das gesamte Gedicht und verdeutlichen die innere Zerrissenheit und das Unverständnis über ihr eigenes Handeln. Die „Augensterne“ des Geliebten werden als strahlend und voller „milder Pracht“ beschrieben, was den Verlust umso schmerzlicher macht. Die Sprecherin scheint sich nach einer Zeit der Wärme und des Lichts in eine kalte, dunkle Umgebung begeben zu haben, was die Tragweite ihrer Entscheidung unterstreicht.

Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Liebe zwischen den beiden als etwas Göttliches dargestellt, als etwas, das vom Schicksal verheißen wurde. Die Zeilen „War’s, als ob mit ernsten Eiden / Es den Himmel uns verhieß“ deuten auf eine tiefe, verheißungsvolle Verbindung hin. Die Sprecherin scheint jedoch blind gewesen zu sein und hat sich von diesem „Paradies“ abgewendet, um stattdessen „Schmerz und Finsterniß“ zu wählen. Diese Wahl wird als „Frevel“ bezeichnet, was die Schwere der Tat und die damit verbundene Schuldgefühle unterstreicht.

Die letzten Strophen zeichnen das Bild eines rastlosen, unglücklichen Daseins. Die Sprecherin irrt „qualvoll, ruhelos“ umher, vergleichbar mit dem „verfluchten Ahasver“, dem ewigen Juden, der keine Ruhe finden kann. Die Metapher des „wild empörten Meeres“ und der „gift’gen Pfeile“ vermittelt ein Gefühl von Gefährlichkeit und Leid, was die Konsequenzen der getroffenen Entscheidung verdeutlicht. Das Gedicht endet mit einem tiefen Gefühl der Unversöhnlichkeit und der Verdammnis, was die Tragödie der verloren gegangenen Liebe und des versäumten Glücks vollendet.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.