Rousseau

Friedrich von Schiller

1759

Monument von unsrer Zeiten Schande, Ew′ge Schmachschrift Deiner Mutter Lande, Rousseau′s Grab, gegrüßet seist Du mir! Fried′ und Ruh den Trümmern Deines Lebens! Fried′ und Ruhe suchtest Du vergebens, Fried′ und Ruhe sandst Du hier!

Wann wird doch die alte Wunde narben? Einst war′s finster, und die Weisen starben; Nun ist′s lichter, und der Weise stirbt. Sokrates ging unter durch Sophisten, Rousseau leidet, Rousseau fällt durch Christen, Rousseau - der aus Christen Menschen wirbt.

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Illustration zu Rousseau

Interpretation

Das Gedicht "Rousseau" von Friedrich von Schiller ist eine ergreifende Hommage an den Philosophen Jean-Jacques Rousseau, der als Monument der Schande seiner Zeit und seines Landes gilt. Schiller verweist auf die ewige Schmach, die Rousseau's Grab als Symbol seiner unruhigen Existenz trägt. Der Dichter wünscht dem Verstorbenen Frieden und Ruhe, die er im Leben vergeblich gesucht hat, und hofft, dass diese ihm nun posthum zuteilwerden. Schiller zieht Parallelen zwischen Rousseau und anderen großen Denkern wie Sokrates, der durch Sophisten unterging, und betont, dass auch Rousseau unter Christen litt und fiel. Rousseau's Bestreben, aus Christen Menschen zu machen, wird als mutiger Versuch dargestellt, der letztlich zu seinem Untergang führte. Der Dichter reflektiert über die Dunkelheit der Vergangenheit, in der die Weisen starben, und die gegenwärtige Zeit, in der der Weise stirbt, was auf eine anhaltende Ungerechtigkeit gegenüber großen Geistern hindeutet. Die Hoffnung auf das Vernarben der alten Wunde, die Rousseau's Leben und Werk betrifft, wird im Gedicht ausgedrückt. Schiller sieht in Rousseau einen leuchtenden Stern, der in einer lichteren Zeit geboren wurde, aber dennoch nicht vor dem Leiden bewahrt blieb. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass Rousseau's Grab nicht nur ein Ort der Trauer ist, sondern auch ein Symbol für die Unvollkommenheit der Gesellschaft, die solche Genies nicht zu würdigen vermag.

Schlüsselwörter

rousseau fried ruhe christen monument unsrer zeiten schande

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Fried′ und Ruh den Trümmern Deines Lebens!
Apostrophe
Monument von unsrer Zeiten Schande, Ew′ge Schmachschrift Deiner Mutter Lande, Rousseau′s Grab, gegrüßet seist Du mir!
Hyperbel
Rousseau - der aus Christen Menschen wirbt.
Kontrast
Einst war′s finster, und die Weisen starben; Nun ist′s lichter, und der Weise stirbt.
Rhetorische Frage
Wann wird doch die alte Wunde narben?