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Rousseau

Von

Monument von unsrer Zeiten Schande,
Ew′ge Schmachschrift Deiner Mutter Lande,
Rousseau′s Grab, gegrüßet seist Du mir!
Fried′ und Ruh den Trümmern Deines Lebens!
Fried′ und Ruhe suchtest Du vergebens,
Fried′ und Ruhe sandst Du hier!

Wann wird doch die alte Wunde narben?
Einst war′s finster, und die Weisen starben;
Nun ist′s lichter, und der Weise stirbt.
Sokrates ging unter durch Sophisten,
Rousseau leidet, Rousseau fällt durch Christen,
Rousseau – der aus Christen Menschen wirbt.

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Gedicht: Rousseau von Friedrich Schiller

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Rousseau“ von Friedrich Schiller ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Vermächtnis des Philosophen Jean-Jacques Rousseau. Es beginnt mit einer direkten Ansprache an Rousseaus Grab, das als „Monument von unsrer Zeiten Schande“ bezeichnet wird. Diese düstere Formulierung deutet auf eine Kritik der Gesellschaft, die Rousseau zu Lebzeiten nicht verstanden oder gewürdigt hat. Die „ew′ge Schmachschrift Deiner Mutter Lande“ unterstreicht die Ablehnung und das Unverständnis, das Rousseau in seiner Heimat erfuhr. Die ersten drei Verse setzen den Ton für eine melancholische Betrachtung des Philosophenlebens und -leidens.

Der zweite Teil des Gedichts, der mit den Worten „Fried′ und Ruh den Trümmern Deines Lebens!“ einhergeht, ist von einem Wunsch nach Frieden und Ruhe geprägt, den Rousseau in seinem Leben vergeblich suchte, aber nun im Tod gefunden hat. Dies deutet auf die tragische Natur seines Lebens hin, das von Konflikten und Missverständnissen geprägt war. Die Zeilen „Fried′ und Ruhe suchtest Du vergebens, Fried′ und Ruhe sandst Du hier!“ verdeutlichen die Ironie des Schicksals: Rousseau fand erst im Tod die ersehnte Ruhe, die ihm zu Lebzeiten verwehrt blieb.

In der zweiten Strophe wird die historische Tragik Rousseaus in einen größeren Kontext gestellt. Schiller zieht Parallelen zu Sokrates und verweist auf die allgemeine Erfahrung von Weisen, die in ihrem Leben Unverständnis und Verfolgung erfahren. Die Zeilen „Wann wird doch die alte Wunde narben? Einst war′s finster, und die Weisen starben; Nun ist′s lichter, und der Weise stirbt.“ drücken die Hoffnung auf Heilung und das Bedauern über das anhaltende Schicksal der Weisen aus, die von ihren Zeitgenossen oft nicht verstanden oder sogar verfolgt werden.

Die letzte Zeile „Rousseau – der aus Christen Menschen wirbt“ ist besonders bemerkenswert, da sie die ironische Pointe des Gedichts darstellt. Sie zeigt, dass Rousseau, der Kritiker der Gesellschaft und der etablierten Ordnung, indirekt durch seine Ideen und Lehren Menschen dazu brachte, sich von konventionellen Normen zu lösen, sogar von christlichen Prinzipien. Schillers Gedicht ist somit eine Hommage an Rousseau und ein Aufruf zur Reflexion über die gesellschaftliche Behandlung von Andersdenkenden und die Bedeutung ihrer Ideen für die menschliche Entwicklung.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

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