Rote Rosen

Theodor Storm

1848

Wir haben nicht das Glück genossen In indischer Gelassenheit; In Qualen ist′s emporgeschossen, Wir wußten nichts von Seligkeit.

Verzehrend kam′s in Sturm und Drange; Ein Weh nur war es, keine Lust! Es bleichte deine zarte Wange Und brach den Atem meiner Brust.

Es schlang uns ein in wilde Fluten, Es riß uns in den jähen Schlund; Zerschmettert fast und im Verbluten Lag endlich trunken Mund auf Mund.

Des Lebens Flamme war gesunken, Des Lebens Feuerquell verrauscht, Bis wir aufs neu den Götterfunken Umfangend, selig eingetauscht.

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Illustration zu Rote Rosen

Interpretation

Das Gedicht "Rote Rosen" von Theodor Storm beschreibt eine leidenschaftliche, aber auch schmerzhafte Liebeserfahrung. Die Sprecher reflektieren über ihr Glück, das nicht in ruhiger Gelassenheit erblühte, sondern in Qualen und Aufruhr. Sie waren sich der Seligkeit, die ihnen widerfuhr, nicht bewusst, sondern erlebten nur Weh und Leid. Die Liebe wird als etwas Verzehrendes dargestellt, das in Sturm und Drang kam und sowohl die zarte Wange der Geliebten als auch den Atem des Liebenden brach. Die zweite Strophe schildert die überwältigende Natur dieser Liebe. Sie wird als eine Flut beschrieben, die die Liebenden in sich hineinschleudert und in einen Abgrund reißt. Die Metapher des Blutes deutet auf die Intensität und das Opfer hin, das diese Liebe fordert. Am Ende liegt der Mund auf dem Mund, was auf einen Kuss oder eine Vereinigung hindeutet, die fast zerschmetternd und blutend ist. Die Liebenden sind in diesem Moment "trunken", betrunken von der Leidenschaft und dem Schmerz. In der letzten Strophe scheint sich das Gedicht zu wandeln. Das Leben, das zuvor als Flamme und Feuerquell beschrieben wurde, ist nun gesunken und verrauscht. Doch dann erfolgt eine Erneuerung, ein neues Aufflammen des "Götterfunkens". Die Liebenden umfassen sich neu und tauschen sich in einem seligen Zustand aus. Dies könnte als eine Art Auferstehung oder Wiedergeburt durch die Liebe interpretiert werden, bei der der Schmerz und das Opfer in eine höhere Form des Glücks und der Seligkeit übergehen.

Schlüsselwörter

mund lebens glück genossen indischer gelassenheit qualen emporgeschossen

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Stilmittel

Bildsprache
Es bleichte deine zarte Wange / Und brach den Atem meiner Brust
Hyperbel
Zerschmettert fast und im Verbluten / Lag endlich trunken Mund auf Mund
Kontrast
Wir haben nicht das Glück genossen / In indischer Gelassenheit; / In Qualen ist's emporgeschossen, / Wir wußten nichts von Seligkeit.
Metapher
Des Lebens Flamme war gesunken, / Des Lebens Feuerquell verrauscht
Personifikation
Es schlang uns ein in wilde Fluten, / Es riß uns in den jähen Schlund