Wahrlich, es ist zuweilen, als hätte der Schöpfer vor Unmuth
Ueber das Menschengeschlecht und seine Frechheit gesagt:
Nun denn, weil so vernünftig ihr sein wollt, geb′ ich dem Hohlkopf
Großes Talent, laß uns sehen, was er für Dinge draus macht.
Rossini
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Rossini“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine bissige Satire auf den berühmten italienischen Komponisten Gioachino Rossini und zugleich eine allgemeine Reflexion über die Verteilung von Talent und die menschliche Natur. Es beginnt mit einer fast verzweifelten Feststellung: Der Schöpfer, vom Unmut über die Frechheit der Menschheit erfasst, scheint beschlossen zu haben, den „Hohlköpfen“ großes Talent zu verleihen.
Der erste Vers suggeriert einen Zorn des Schöpfers, was darauf hindeutet, dass die menschliche Arroganz und Torheit so groß ist, dass sie eine Reaktion der göttlichen Ebene hervorruft. Die Wahl des Wortes „Frechheit“ deutet auf eine tiefe Verachtung und Irritation hin. Der zweite Vers verstärkt diesen Eindruck, indem er die Reaktion des Schöpfers auf diese „Frechheit“ andeutet. Es ist, als würde der Schöpfer eine Art Experiment starten, um zu sehen, was Menschen mit außergewöhnlichen Gaben anstellen, obwohl sie nicht die geistige Reife oder das Verständnis dafür besitzen.
Die Wahl des Namens Rossini, einem Komponisten, der für seine Opern bekannt ist, die zwar eingängig und beliebt, aber oft auch als oberflächlich und wenig tiefgründig kritisiert wurden, ist kein Zufall. Waiblinger greift hier ein verbreitetes Urteil über den Komponisten auf und nutzt es als Beispiel für seine allgemeine These. Rossini wird hier stellvertretend für alle Talente stehen, die verschwendet oder falsch eingesetzt werden, um die „Frechheit“ der Menschheit zu illustrieren. Die Ironie liegt darin, dass die Fähigkeiten des Menschen, die als Geschenk gedacht waren, durch die Unzulänglichkeit des Empfängers entwertet werden.
Die letzten beiden Verse, die als direkter Kommentar des Schöpfers interpretiert werden können, stellen eine rhetorische Frage. Der Schöpfer scheint gespannt zu sein, was der „Hohlkopf“ mit dem ihm geschenkten Talent anfangen wird. Dies ist ein Ausdruck von Skepsis und vielleicht auch von Enttäuschung über die menschliche Fähigkeit, selbst das größte Geschenk zu missbrauchen oder nicht optimal zu nutzen. Das Gedicht ist also nicht nur eine Kritik an Rossini, sondern auch eine allgemeine Reflexion über die menschliche Natur, die in ihrer Arroganz und Oberflächlichkeit das Beste, das ihr gegeben wurde, zu untergraben droht.
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