Rosenkranzlieder
1913An die Schwester
Wo du gehst wird Herbst und Abend, Blaues Wild, das unter Bäumen tönt, Einsamer Weiher am Abend.
Leise der Flug der Vögel tönt, Die Schwermut über deinen Augenbogen. Dein schmales Lächeln tönt.
Gott hat deine Lider verbogen. Sterne suchen nachts, Karfreitagskind, Deinen Stirnenbogen.
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Interpretation
Das Gedicht "An die Schwester" von Georg Trakl zeichnet ein melancholisches und geheimnisvolles Bild der angesprochenen Schwester. Die Natur wird in herbstlichen und abendlichen Farben beschrieben, was eine Stimmung der Vergänglichkeit und Einsamkeit schafft. Der "blaue Wild" und der "einsame Weiher" verstärken die Atmosphäre der Abgeschiedenheit und des Nachdenkens. Die Schwester selbst wird als eine Figur dargestellt, die von einer tiefen Schwermut durchdrungen ist. Ihr "schmales Lächeln" und die "verbogenen Lider" deuten auf eine innere Traurigkeit und eine Verbindung zum Göttlichen hin. Die Erwähnung des "Karfreitagskindes" unterstreicht die Verbindung zu Leiden und Erlösung, was die spirituelle Dimension des Gedichts verstärkt. Die Sterne, die nachts nach dem "Stirnenbogen" der Schwester suchen, symbolisieren die Sehnsucht nach Erleuchtung und Transzendenz. Das Gedicht vermittelt eine tiefe, fast mystische Verbundenheit zwischen der Schwester und der Natur, die von einem Gefühl der Einsamkeit und des inneren Friedens geprägt ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Blaues Wild, das unter Bäumen tönt
- Metapher
- Wo du gehst wird Herbst und Abend
- Personifikation
- Sterne suchen nachts
- Symbolik
- Karfreitagskind
- Synästhesie
- Dein schmales Lächeln tönt