Rosen auf den Weg gestreut

Kurt Tucholsky

1931

Ihr müsst sie lieb und nett behandeln, erschreckt sie nicht - sie sind so zart! Ihr müsst sie Palmen sie umwandeln, getreulich ihrer Eigenart! Pfeift eierm Hunde, wenn er sie ankläfft: küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!

Wenn sie in ihren Sälen hetzen, sagt, “Ja und Amen - aber gern! Hier habt ihr mich - schlagt mich in Fetzen!” Und prügeln sie, so lobt den Herrn. Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft! Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!

Und schießen sie: du lieber Himmel, schätzt ihr das Leben so hoch ein? Das ist ein Pazifisten-Fimmel! Wer möchte nicht gern Opfer sein? Und spürt ihr auch in euerm Bauch den Hitlerdolch, tief, bis zum Heft: Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!

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Illustration zu Rosen auf den Weg gestreut

Interpretation

Das Gedicht "Rosen auf den Weg gestreut" von Kurt Tucholsky ist eine scharfe Kritik an der Appeasement-Politik gegenüber Faschisten und autoritären Bewegungen. Tucholsky fordert in sarkastischem Ton, dass man Faschisten mit übermäßiger Freundlichkeit und Unterwürfigkeit begegnen soll, um deren Aggressionen zu besänftigen. Der Titel "Rosen auf den Weg gestreut" symbolisiert diese übertriebene Freundlichkeit und das Bemühen, den Faschisten entgegenzukommen. Im ersten Teil des Gedichts beschreibt Tucholsky, wie man mit den Faschisten umgehen soll: Sie müssen "lieb und nett" behandelt werden, da sie als "zart" dargestellt werden. Die Aufforderung, "Palmen umzuwandeln" und "treulich ihrer Eigenart" zu sein, deutet auf ein übermäßiges Entgegenkommen hin. Der Satz "Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!" verdeutlicht die extreme Unterwürfigkeit, die Tucholsky kritisiert. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Situation verschärft. Wenn die Faschisten hetzen und Gewalt anwenden, soll man ihnen zustimmen und sich sogar selbst opfern. Tucholsky verwendet hier Ironie, um die Absurdität dieser Haltung aufzuzeigen. Die Zeile "Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!" verdeutlicht, dass die Faschisten Gewalt als Mittel einsetzen, und die Aufforderung, sie trotzdem zu küssen, ist eine Kritik an der fehlenden Gegenwehr. Im letzten Teil des Gedichts geht es um die Konsequenzen dieser Politik. Wenn die Faschisten schießen, soll man ihr Leben nicht hoch schätzen und sich sogar als Opfer anbieten. Die Erwähnung des "Hitlerdolchs" deutet auf die Bedrohung durch den Nationalsozialismus hin. Tucholsky kritisiert hier die pazifistische Haltung, die angesichts einer klaren Gefahr als naiv und selbstzerstörerisch erscheint. Die wiederholte Aufforderung, die Faschisten zu küssen, unterstreicht die Absurdität und Gefährlichkeit dieser Politik.

Schlüsselwörter

küsst faschisten trefft müsst gern prügeln lieb nett

Wortwolke

Wortwolke zu Rosen auf den Weg gestreut

Stilmittel

Alliteration
Lieb und nett
Anapher
Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!
Ironie
Hier habt ihr mich - schlagt mich in Fetzen!
Metapher
den Hitlerdolch, tief, bis zum Heft
Personifikation
erschreckt sie nicht - sie sind so zart
Symbolik
Rosen auf den Weg gestreut
Übertreibung
schätzt ihr das Leben so hoch ein