Rose im Oktober

Elisabeth Langgässer

1899

Die Hacke schweigt. Am Waldrand steigt mit hellem Ton ein Sagenross aus Avalon. Was ist’s? Der Herbst verschoss in seinem Kupferschloss die sanfte Munition.

Die Eichel fällt und fallend, schellt entzwei am Grund (o leichte Schlacht!) in Pfeifchen und Granate, nun gib acht, wie Tag sich trennt und Nacht, Frucht, Schale, Hauch und Mund.

Es knallt, es pocht, und brausend, kocht ein fernes Tal der Beere Sud und Mark zumal, wie es ein Kessel tut, wenn Windes Liebeswut entfaltet sein Fanal.

Die Flamme singt. Es überspringt den eignen Ort ihr zarter Laut und zeugt sich fort. Die Luft, wie aufgeraut, gibt Echo ihm und baut vielblättrig Wort um Wort.

Tief im Azur - Kondwiramur und Gral zugleich - trägt, Rot in Blau, nicht Geist, noch Fleisch, die Rose ihren Bau hoch über Feld und Au ein in das Ätherreich.

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Illustration zu Rose im Oktober

Interpretation

Das Gedicht "Rose im Oktober" von Elisabeth Langgässer thematisiert den Übergang vom Herbst zum Winter und die damit einhergehende Veränderung der Natur. Die Autorin verwendet dabei eine Vielzahl von Bildern und Metaphern, um die Schönheit und Vergänglichkeit der Natur zu beschreiben. Im ersten Teil des Gedichts wird die Stille und Ruhe des Waldes beschrieben. Die "Hacke" schweigt und ein "Sagenross" steigt aus Avalon auf. Dies könnte als Symbol für die Vergangenheit und die Mythenwelt stehen, die in der Natur weiterleben. Der Herbst wird als "Kupferschloss" beschrieben, das die "sanfte Munition" verschossen hat. Dies könnte bedeuten, dass die Natur ihre Farbenpracht verloren hat und sich auf den Winter vorbereitet. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Natur als Schlachtfeld dargestellt. Die Eichel fällt und "schellt" entzwei am Grund. Dies könnte als Symbol für den Kampf der Natur gegen den Winter stehen. Die "Pfeifchen und Granate" könnten als Metapher für die verschiedenen Geräusche der Natur dienen, die im Herbst zu hören sind. Die Trennung von Tag und Nacht, Frucht und Schale, Hauch und Mund könnte als Symbol für den Übergang von Leben und Tod stehen. Im dritten Teil des Gedichts wird die Natur als kochendes Tal beschrieben. Die Beeren und das Mark kochen zusammen wie in einem Kessel. Dies könnte als Symbol für die Veränderung der Natur stehen, die sich auf den Winter vorbereitet. Die "Liebeswut" des Windes entfaltet ihr Fanal, was als Symbol für die Kraft der Natur stehen könnte. Im vierten Teil des Gedichts wird die Flamme als Symbol für die Schönheit und Vergänglichkeit der Natur dargestellt. Die Flamme singt und ihr "zarter Laut" springt über den eigenen Ort hinaus und zeugt sich fort. Die Luft gibt Echo und baut "vielblättrig Wort um Wort". Dies könnte als Symbol für die Poesie und die Schönheit der Natur stehen, die in der Sprache festgehalten wird. Im letzten Teil des Gedichts wird die Rose als Symbol für die Schönheit und Reinheit der Natur dargestellt. Die Rose trägt "Rot in Blau" und ist "nicht Geist, noch Fleisch". Sie erhebt sich über Feld und Au in das "Ätherreich". Dies könnte als Symbol für die Unsterblichkeit der Natur stehen, die auch im Winter weiterlebt.

Schlüsselwörter

wort hacke schweigt waldrand steigt hellem ton sagenross

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Eichel fällt und fallend, schellt entzwei am Grund.
Metapher
Tief im Azur - Kondwiramur und Gral zugleich - trägt, Rot in Blau, nicht Geist, noch Fleisch, die Rose ihren Bau hoch über Feld und Au ein in das Ätherreich.
Onomatopoesie
Es knallt, es pocht.
Personifikation
Die Flamme singt.
Vergleich
wie es ein Kessel tut, wenn Windes Liebeswut entfaltet sein Fanal.