Romanze
1832Es war einmal ein Schneiderlein Mit Nadel und mit Scher, Der liebt ein Mädel hübsch und fein So sehr, ach Gott, so sehr.
Er kam zu ihr in später Stund und red′t so hin und her, Ob er ihr etwa helfen kunnt Mit Nadel und mit Scher.
Da dreht das Mädel sich herum! “Oh je, o jemine! Deine Nadel ist ja schon ganz krumm, Geh geh, mein Schneider, geh!”
Der Schneider schrie: “Du falsche Dirn, Hätt′ ich Dich nie gekannt!”
Er kauft sich einen Faden Zwirn Und hängt sich an die Wand.
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Interpretation
Das Gedicht "Romanze" von Wilhelm Busch erzählt eine tragische Liebesgeschichte zwischen einem Schneiderlein und einem hübschen Mädchen. Der Schneider ist tief in sie verliebt und versucht, ihre Zuneigung zu gewinnen, indem er ihr seine Dienste anbietet. Doch seine Bemühungen werden von der jungen Frau abgewiesen, die ihn mit einer abfälligen Bemerkung über seine "krumme Nadel" zurückweist. Die Zurückweisung des Mädchens trifft den Schneider tief und führt zu einem emotionalen Ausbruch. In seiner Verzweiflung und Enttäuschung beschimpft er sie als "falsche Dirn" und bereut, sie jemals kennengelernt zu haben. Die Intensität seiner Gefühle und die Tiefe seiner Kränkung lassen ihn zu einer drastischen Handlung greifen. In einem letzten, verzweifelten Akt kauft sich der Schneider einen Faden Zwirn und hängt sich an die Wand. Dieser tragische Ausgang der Liebesgeschichte unterstreicht die Intensität der Gefühle und die Verletzlichkeit des Herzens. Wilhelm Busch vermittelt auf eindringliche Weise die Schattenseiten der Liebe und die verheerenden Folgen von Zurückweisung und unerfülltem Begehren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Nadel und mit Scher
- Hyperbel
- So sehr, ach Gott, so sehr
- Ironie
- Hätt′ ich Dich nie gekannt
- Metapher
- Deine Nadel ist ja schon ganz krumm
- Personifikation
- Der Schneider schrie
- Reimschema
- Scher - her, Stund - kunnt, um - jemine, Dirn - gekannt, Zwirn - Wand
- Symbolik
- Faden Zwirn