Rolands Horn
unknownDer König Karl beim Jubelmahl, hoch schwang in der Hand er den goldnen Pokal:
»Lang lebe der Sieger, der heut noch fern, Roland, mein Roland, der Streiter des Herrn!«
Da - bei der Becher Zusammenstoß, wie Schatten sich′s über die Wände goß
und als das jauchzende Hoch verscholl, ein Dämmern über die Erde schwoll,
und weit, weit her es traurig hallt′ hinklagend über See und Wald…
Und als sie drängten zur Tür mit Macht, da wuchs das Dunkel zur finstern Nacht,
und angstvoll durch die Luft herbei rang sich′s wie wilder Todesschrei…
Und als sie sich wandten entsetzt zum Thron, da stöhnte zum drittenmal her ein Ton,
da zittert′ es über Wald und See wie aus verröchelnder Brust ein Weh…
Doch als der König sich bleich erhob, blaß wieder ein Dämmern die Halle durchwob.
Und als er rief: »Verrat! Zu Roß!« weiß wieder der Tag die Halle durchfloß.
Wohl jagten sie windschnell querfeldein, rastlos bei Sonnen- und Sternenschein
hin bis zum Morgen nach Ronceval - da kreischten die Krähen schon über dem Tal,
da lagen die Helden, die Wunden vorn, und stumm er, Roland, zerborsten sein Horn.
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Interpretation
Das Gedicht "Rolands Horn" von Ferdinand Avenarius erzählt von einem düsteren Vorzeichen, das den Siegertriumph König Karls begleitet. Während des Jubelmahls wird auf den fernen Roland angestoßen, doch plötzlich verdunkelt sich die Halle, und ein trauriges, hallendes Horn ertönt dreimal. Dieses Horn klingt wie ein Todesklagen, das über Land und Wasser hallt und die Anwesenden in Angst versetzt. Die mysteriöse Atmosphäre steigert sich, als der König "Verrat!" ruft und die Halle wieder erhellt wird. Die Interpretation deutet darauf hin, dass das Horn Rolands ein Zeichen seines nahenden Todes ist. Die wiederholten Töne und die Dunkelheit, die sie begleiten, symbolisieren die Schwere und Endgültigkeit seines Schicksals. Die eilige Reise des Königs und seiner Männer nach Ronceval, getrieben von Sorge und Hast, unterstreicht die Dringlichkeit und Tragik der Situation. Am Ende des Gedichts erreicht die Gruppe den Ort des Geschehens, wo sie die Leichen der gefallenen Helden und das zerbrochene Horn Rolands vorfindet. Dieses Bild vermittelt die Endgültigkeit des Todes und den Verlust eines tapferen Kämpfers. Das Gedicht schließt mit einer düsteren Note, die den Preis des Heldentums und die Unausweichlichkeit des Todes betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- stumm er, Roland, zerborsten sein Horn
- Bildsprache
- da lagen die Helden, die Wunden vorn
- Hyperbel
- windschnell querfeldein
- Kontrast
- weiß wieder der Tag die Halle durchfloß
- Metapher
- wie aus verröchelnder Brust ein Weh
- Onomatopoesie
- da kreischten die Krähen schon über dem Tal
- Personifikation
- wie Schatten sich's über die Wände goß
- Symbolik
- Roland, der Streiter des Herrn
- Wiederholung
- da zittert's über Wald und See