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Römische Fontäne (Villa Borghese)

Von

Zwei Becken, eins das andere übersteigend
aus einem alten runden Marmorrand,
und aus dem oberen Wasser leis sich neigend
zum Wasser, welches unten wartend stand,

dem leise redenden entgegenschweigend
und heimlich, gleichsam in der hohlen Hand,
ihm Himmel hinter Grün und Dunkel zeigend
wie einen unbekannten Gegenstand;

sich selber ruhig in der schönen Schale
verbreitend ohne Heimweh, Kreis aus Kreis,
nur manchmal träumerisch und tropfenweis

sich niederlassend an den Moosbehängen
zum letzten Spiegel, der sein Becken leis
von unten lächeln macht mit Übergängen.

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Gedicht: Römische Fontäne (Villa Borghese) von Rainer Maria Rilke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Römische Fontäne (Villa Borghese)“ von Rainer Maria Rilke beschreibt auf eindrucksvolle Weise die Bewegung und das Wesen einer Brunnenanlage. Die poetische Gestaltung konzentriert sich auf die sinnliche Wahrnehmung von Wasser, Marmor und Umgebung, wobei die Beschreibung über die reine Dinghaftigkeit hinausgeht und eine tieferliegende Bedeutungsebene andeutet.

Rilke visualisiert die Fontäne durch die Beschreibung zweier Becken, die in einem harmonischen Zusammenspiel stehen. Das Wasser, das von oben nach unten fließt, wird als sanft und leise wahrgenommen. Der Übergang des Wassers wird als ein „leises Neigen“ dargestellt, was die fließende Bewegung betont. Das obere Becken schenkt dem unteren Becken sein Wasser, wodurch ein Kreislauf entsteht, der die unaufhörliche Bewegung des Wassers und die Einheit der Anlage verdeutlicht. Der Einsatz von Adjektiven wie „leise“ und „heimlich“ verleiht der Beschreibung eine besondere Intimität und suggeriert eine stille, fast geheimnisvolle Atmosphäre.

Die Fontäne wird auch als Spiegel betrachtet, der die Umgebung reflektiert. Im zweiten Abschnitt wird das Wasser sogar als „Himmel“ interpretiert, der „hinter Grün und Dunkel“ verborgen ist. Dies deutet auf eine subtile Verbindung zwischen der Brunnenanlage und der Natur hin. Das Wasser scheint sich selbst in der „schönen Schale“ ohne „Heimweh“ auszubreiten, was ein Gefühl von Ruhe und Harmonie vermittelt. Die Tropfen, die sich träumerisch an den Moosbehängen niederlassen, verstärken den Eindruck von Zeitlosigkeit und der gelassenen Schönheit.

Letztlich erzeugt Rilkes Gedicht eine Atmosphäre der Kontemplation. Die präzisen Bilder und die einfühlsame Sprache laden den Leser dazu ein, über die Schönheit der Natur und die fließenden Übergänge des Lebens nachzudenken. Die Fontäne, die sich ohne Hast in ihrem Kreislauf bewegt, wird zum Sinnbild von Ruhe, Harmonie und der Vergänglichkeit der Zeit. Die „Übergänge“, die das Gedicht beschließt, weisen auf das stetige Wandeln und die ständige Veränderung hin, die dem Leben innewohnen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.