Rodomonte
1877Graf Bojardo ritt zum Jagen Aber nicht auf Hirsch′ und Rehe, Denn in seinem Innern nagen Eines Dichters Gram und Wehe.
Er, der kühne Rolandsänger, Sonst um Namen nicht verlegen, Sucht just einen immer länger Für den kecksten seiner Degen.
Denn der Name schien zur Sache Wichtig ihm aus vielen Gründen; Unter′m grünen Waldesdache Hofft′ er heute ihn zu finden.
Horch, da reißt vom Bergesstollen Sich ein Fels mit einem Male, Und mit ungestümem Rollen Stürzt er donnernd in die Thale.
Hei! so wild, unbändig prächtig Ist Bojardo′s Held erfunden: Aus den Träumen reißt′s ihn mächtig, Und - der Name ist gefunden!
Jauchzt′ er laut auf hohem Rosse Und, so eilig als er konnte, Sprengt′ er heimwärts nach dem Schlosse.
Läßt mit seinen Glocken allen Läuten, was man läuten konnte, Durch Scandiano′s weite Hallen, Tönt sein jubelnd:
Volk und Diener ängstlich flohen Hier- und dorthin bei dem Läuten, Doch - kein Feuer sieht man lohen, Niemand weiß den Lärm zu deuten.
Wie nun Alles stand im Kranze Und nicht g′nug sich wundern konnte, Schrieb Bojard die erste Stanze Von dem Helden !
Und, dieweil ein Stein′ alleine Schon bewirkte solche Thaten, Nennt man Alles, was zum Scheine Lärmen macht: !
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Interpretation
Das Gedicht "Rodomonte" von Luise Büchner erzählt von Graf Bojardo, einem Dichter, der auf der Suche nach einem passenden Namen für seinen Helden ist. In seiner Verzweiflung reitet er zum Jagen, in der Hoffnung, unter dem grünen Waldesdach den idealen Namen zu finden. Die Suche nach dem Namen wird als wichtiges Anliegen dargestellt, da er für den Dichter von großer Bedeutung ist. Plötzlich wird Graf Bojardo durch das Geräusch eines Felsens, der sich von einem Berg löst und donnernd in die Tiefe stürzt, aus seinen Träumen gerissen. Dieses Ereignis inspiriert ihn, und er findet den Namen für seinen Helden: Rodomonte. Überglücklich kehrt er auf seinem Pferd nach Hause zurück und lässt durch Scandiano's weite Hallen läuten, was man nur läuten kann. Das Volk und die Diener sind verwirrt und ängstlich, da sie den Grund für das Läuten nicht verstehen. Schließlich schreibt Bojardo die erste Strophe von seinem Helden Rodomonte. Der Name leitet sich von dem Stein ab, der so viel Lärm und Aufsehen erregt hat. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass alles, was nur zum Schein Lärm macht, als "Rodomonte" bezeichnet werden kann. Es wird somit eine Metapher für übertriebene oder leere Prahlerei geschaffen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Graf Bojardo ritt zum Jagen
- Hyperbel
- Hei! so wild, unbändig prächtig Ist Bojardo's Held erfunden.
- Metapher
- Denn in seinem Innern nagen Eines Dichters Gram und Wehe.
- Onomatopoesie
- Und mit ungestümem Rollen Stürzt er donnernd in die Thale.
- Personifikation
- Denn der Name schien zur Sache Wichtig ihm aus vielen Gründen.