Robinson zimmert einen Stuhl
unknownIch lehre schwer die ungeübten Hände, Die von nichts wissen. Und mein Mund ward stumm, Als ob Erinnerung ihm langsam schwände.
Ich hab ein Ding, behindert, schief und krumm, Gebaut und muß an ihm nun meine Zunge lehren, Die “Stuhl” sagt. Mit dem kindlichen, erstaunten Klang.
Und meine glückbetäubten Hände ehren Sich in dem ersten Werk. Ein Tun gelang Von Grund: ich sitze. (Und das ist fast, wie Dies einmal war, sehr früh: ich bog die Knie.)
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Interpretation
Das Gedicht "Robinson zimmert einen Stuhl" von Maria Luise Weissmann handelt von der Erfahrung des Erschaffens und Lernens durch Handeln. Der Sprecher, der anscheinend Robinson Crusoe ähnelt, versucht, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden und grundlegende Fähigkeiten neu zu erlernen. Die "ungeübten Hände" symbolisieren die Unerfahrenheit und die Herausforderung, sich in einer unbekannten Situation zurechtzufinden. Die Stille des Mundes, die eintritt, als die Hände lernen, deutet auf einen tiefen, intuitiven Prozess hin, bei dem die verbale Kommunikation sekundär wird gegenüber der direkten Erfahrung des Schaffens. Der Akt des Bauens eines Stuhls, der als "behindert, schief und krumm" beschrieben wird, spiegelt die Unvollkommenheit und die Lernkurve wider, die mit dem Erlernen neuer Fähigkeiten einhergehen. Die Benennung des Objekts als "Stuhl" mit kindlichem Erstaunen unterstreicht die Neuheit und die Bedeutung dieses Erfolgs. Die Freude und das Stolzgefühl, das der Sprecher empfindet, wenn er sich endlich auf dem selbstgebauten Stuhl setzen kann, wird mit der frühesten Kindheitserfahrung des Hockens verglichen. Dies impliziert eine Rückkehr zu den Grundlagen des Menschseins und eine Wiederentdeckung der Freude am einfachen Sein und Tun. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Wertschätzung für die Fähigkeit zu schaffen und zu lernen, unabhängig vom Alter oder den Umständen, und feiert die menschliche Fähigkeit, sich anzupassen und Freude an neuen Errungenschaften zu finden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- behindert, schief und krumm
- Bildsprache
- meine glückbetäubten Hände ehren sich in dem ersten Werk
- Metapher
- Ich lehre schwer die ungeübten Hände
- Personifikation
- mein Mund ward stumm
- Vergleich
- Das ist fast, wie Dies einmal war, sehr früh: ich bog die Knie