Robinson sucht Gott
1932Ists darum, daß du schweigst, Gott, weil du haust In dem Verstummenden? Bist du der leere Schallose Raum, in dem es schweigt, und baust Dich rund um uns? Bist, den ich kniend ehre, Der Angespiene Eines, und es gleichen Gebet und Fluch dir Ohrenlosem längst Sich aus, eh sie ertönten? Und es streichen Sich Schmerz und Freude, daß nichts bleibt? Du hängst Ein großer Ausgleich, bist wie das Bemessen Der Wage, die im Gleichgewicht besteht? Alles geht auf? Und daß mir hier, vergessen Fast von mir selbst, die Einsamkeit vergeht Und sich erneut, unendlich, trifft dich nicht?! Du weißt sie drüben gehn in bunten Scharen, Sie staunen vor den rasch verschäumten Jahren, Und warfst mich hin: ihr einiges Gewicht.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Robinson sucht Gott" von Maria Luise Weissmann ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Frage nach der Existenz und Natur Gottes. Der Sprecher stellt sich die Frage, ob Gott in der Stille und Leere des Raumes zu finden ist, und ob er die Gebete und Flüche der Menschen gleichermaßen hört. Es wird die Möglichkeit erwogen, dass Gott ein "Angespien Einer" ist, der gegenüber den Emotionen der Menschen gleichgültig ist. Der Sprecher fragt sich, ob Gott ein "großer Ausgleich" ist, der alle Extreme ausgleicht und alles auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Es wird die Vorstellung geäußert, dass Gott wie eine Waage ist, die im Gleichgewicht besteht und alle Dinge auf eine Weise misst und bewertet, die über das menschliche Verständnis hinausgeht. Der Sprecher fragt sich, ob Gott die Einsamkeit und das Leid der Menschen wahrnimmt und ob er sieht, wie die Menschen im Jenseits in bunten Scharen zusammenkommen und die schnell vergangenen Jahre bewundern. Das Gedicht endet mit der Frage, ob Gott den Sprecher in die Einsamkeit geworfen hat, um ihn als "einziges Gewicht" zu benutzen. Es wird die Möglichkeit erwogen, dass der Sprecher in seiner Isolation einen besonderen Zweck erfüllt und dass Gott ihn absichtlich in diese Situation gebracht hat. Das Gedicht ist eine eindringliche Reflexion über die Natur Gottes und die Beziehung des Menschen zu ihm, die den Leser dazu anregt, über die eigenen Überzeugungen und Erfahrungen nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schmerz und Freude, daß nichts bleibt?
- Anapher
- Bist du der leere Schallose Raum, in dem es schweigt, und baust Dich rund um uns? Bist, den ich kniend ehre,
- Metapher
- Du hängst Ein großer Ausgleich, bist wie das Bemessen Der Wage, die im Gleichgewicht besteht?
- Parallelismus
- Gebet und Fluch dir Ohrenlosem längst Sich aus, eh sie ertönten?
- Personifikation
- Du weißt sie drüben gehn in bunten Scharen, Sie staunen vor den rasch verschäumten Jahren,
- Rhetorische Frage
- Alles geht auf? Und daß mir hier, vergessen Fast von mir selbst, die Einsamkeit vergeht Und sich erneuert, unendlich, trifft dich nicht?!