Robinson sucht Gott (1. Fassung)

Maria Luise Weissmann

1899

Bist Du denn überall der Erste? Warst An jedem Ort, den je ein Mensch betritt, Vorher? Denn sieh, daß Du Dich offenbarst, Geh ich in Hoffnung. Jahre. Schritt um Schritt. Wer bist denn Du? Der Tag und Nächte schweigt, Wenn man ihn ruft? Der Mächtige, dem Wind, Wasser und Land sich in Gehorsam neigt Und dem zwei Worte zuviel Mühsal sind, Den Armen zu erretten, der Dich sucht? Gib Antwort, Gott! Du schweigst. Oder ich ward Zu hören Dich in Schweigen neu verflucht?

Bist Du, o Gott, so grenzenloser Art?!

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Du bist, o Gott, so grenzenloser Art: Mir, der Dich sucht, gesellt sich Irgendeiner, Der spricht mit Spott von Deinem weißen Bart. Und hebt mein Flehen auf: wir sind wie Keiner. Und daß ich hier bin, einsam und gebannt Auf einer Insel: dafür sind sie viel(e) In großen Städten. Und das harte Land Das ich bebaue, ist dem Pflug wie Spiel. Doch wenn ich lache, weint dann einer wo, Und es bleibt still um Dich. Wir sind gewogen, Du bist der Ausgleich. Traurig oder froh, Verworrne Melodie kam fern gezogen: Und starb schon hin. Und war schon Harmonie.

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Illustration zu Robinson sucht Gott (1. Fassung)

Interpretation

Das Gedicht "Robinson sucht Gott" von Maria Luise Weissmann ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Suche nach Gott und der Frage nach seiner Existenz. Der Sprecher, der sich selbst als Robinson bezeichnet, begibt sich auf eine Reise der Hoffnung und des Glaubens, um Gott zu finden. Er fragt sich, ob Gott überall der Erste ist und ob er an jedem Ort, den ein Mensch betritt, bereits vorher war. Die Jahre vergehen, und der Sprecher geht Schritt für Schritt, in der Hoffnung, Gott zu begegnen. Der zweite Teil des Gedichts zeigt die Frustration des Sprechers über das Schweigen Gottes. Er fragt sich, ob Gott der Mächtige ist, dem Wind, Wasser und Land sich in Gehorsam neigen, aber der zu beschäftigt ist, um auf die Bitten der Armen zu antworten. Der Sprecher fühlt sich von Gott verflucht, wenn er ihn in seinem Schweigen nicht hören kann. Doch dann erkennt er, dass Gott grenzenloser Art ist und dass er nicht allein ist in seiner Suche. Andere Menschen, die von Gottes "weißem Bart" spotten, gesellen sich zu ihm. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die Einsamkeit und die Herausforderungen, denen er auf seiner Insel gegenübersteht. Er erkennt, dass es viele andere gibt, die in großen Städten leben und ähnliche Schwierigkeiten haben. Das harte Land, das er bebaut, ist für andere nur ein Spiel. Doch wenn er lacht, weint irgendwo jemand anderes. Die Welt ist voller Kontraste und Gegensätze, und Gott ist der Ausgleich zwischen Freude und Trauer. Die Melodie des Lebens zieht vorbei, stirbt und wird zu Harmonie.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
starb schon hin
Anapher
Bist Du denn überall der Erste? Warst An jedem Ort, den je ein Mensch betritt, Vorher?
Kontrast
Traurig oder froh
Metapher
Verworrne Melodie kam fern gezogen
Parallelismus
Bist Du denn überall der Erste? Warst An jedem Ort, den je ein Mensch betritt, Vorher?
Personifikation
Verworrne Melodie kam fern gezogen
Rhetorische Frage
Bist Du denn überall der Erste?
Wiederholung
Bist Du denn überall der Erste? Warst An jedem Ort, den je ein Mensch betritt, Vorher?