Robinson ruht unter seinem Laubgezelt
1932Aber mit einem Male erstrahlen Tage der Nähe wie selige Segel, Die auf dem Blau des Wassers sich malen. Aber der Glückliche kennt nur Beharren. Ach, er vergaß ganz die Sehnsucht der Tage Gestern und vorher, die Jahre gehegte. Ach, ihm erstarb ganz die brennende Frage Wann? Und er sieht die Errettung verweilen, Aber vom Glück?! - Und träumend entgleiten Sieht er die Tage, die Segel enteilen Silbern hinaus in verfließende Weiten.
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Interpretation
Das Gedicht "Robinson ruht unter seinem Laubgezelt" von Maria Luise Weissmann erzählt von einem Moment der Ruhe und der plötzlichen Erkenntnis der Vergänglichkeit. Der Titel verweist auf die biblische Figur des Robinson Crusoe, der auf einer einsamen Insel gestrandet ist und unter einem Laubgezelt Schutz sucht. Doch die Ruhe währt nicht lange, denn plötzlich erstrahlen "Tage der Nähe wie selige Segel", die auf dem Wasser erscheinen und eine Ahnung von Glück und Errettung vermitteln. Der Glückliche, vermutlich Robinson selbst, kennt nur das Beharren und hat die Sehnsucht der vergangenen Tage und Jahre vergessen. Die brennende Frage "Wann?" ist ihm verstummt, und er sieht die Errettung als etwas Verweilendes. Doch die Ironie liegt darin, dass das Glück selbst nicht als solches erkannt wird. In einem traumhaften Zustand entgleitet ihm die Erkenntnis, dass die Tage und die Segel bereits enteilt sind. Sie ziehen silbern in die Weite hinaus, in eine ungewisse Zukunft, die von Vergänglichkeit und Verflüchtigung geprägt ist. Das Gedicht thematisiert die menschliche Tendenz, die Gegenwart als selbstverständlich hinzunehmen und die Vergangenheit zu vergessen. Es verdeutlicht die Vergänglichkeit des Glücks und die Unfähigkeit, den richtigen Zeitpunkt für die Erkenntnis zu erkennen. Die Tage der Nähe und die seligen Segel symbolisieren die flüchtigen Momente des Glücks, die oft unerkannt vorüberziehen. Das Gedicht lädt dazu ein, die Gegenwart bewusster wahrzunehmen und die Vergänglichkeit des Lebens anzuerkennen, um die kostbaren Augenblicke des Glücks nicht zu verpassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Gestern und vorher, die Jahre gehegte
- Bildsprache
- Silbern hinaus in verfließende Weiten
- Hyperbel
- brennende Frage
- Metapher
- Tage der Nähe wie selige Segel
- Personifikation
- Errettung verweilen