Robinson füttert sein Lamm

Maria Luise Weissmann

1932

Hier sind nicht Städte mehr, die rufen: bau! Nicht Wein auch, der betörte: komm und schlürfe! Kein Trug der Sehnsucht um die fremde Frau Und keiner Tat, daß sie mein Tun bedürfe. Hier fand sich wieder weit versprengtes Sein Kristallen, inselhaft, ein klar Gefüge Aus mir und mir, ersehnt. Und doch zu rein, Daß es der Ungeweihte reinlich trüge:

Er fing ein Lamm im Weidenkäfig ein Und pflegt es, zärtliche, geliebte Lüge.

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Illustration zu Robinson füttert sein Lamm

Interpretation

Das Gedicht "Robinson füttert sein Lamm" von Maria Luise Weissmann schildert eine innere Einkehr und Abkehr von äußeren Reizen und Verlockungen. Die äußere Welt mit ihren Städten, die zum Bauen auffordern, dem berauschenden Wein und der verführerischen fremden Frau ist nicht mehr von Bedeutung. Es gibt keine Taten mehr, die den eigenen Taten bedürfen. Stattdessen findet sich der Sprecher in einer inneren, kristallinen Welt wieder, die aus ihm selbst heraus entsteht. Diese Welt ist klar und rein, aber auch so zerbrechlich, dass sie von einem Ungeweihten nicht getragen werden könnte. Der Sprecher hat sich in einen Weidenkäfig zurückgezogen, einen geschützten Raum, in dem er ein Lamm pflegt. Das Lamm symbolisiert eine zärtliche, geliebte Lüge. Es ist eine Schöpfung des Sprechers, die ihm Trost und Geborgenheit spendet. Das Lamm ist ein Ersatz für die verloren gegangene äußere Welt und ein Symbol für die innere Einkehr des Sprechers.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Titel: Robinson füttert sein Lamm
Bildlichkeit
Und pflegts, zärtliche, geliebte Lüge
Kontrast
Und doch zu rein, / Daß es der Ungeweihte reinlich trüge
Metapher
Hier fand sich wieder weit versprengtes Sein / Kristallen, inselhaft, ein klar Gefüge
Personifikation
Nicht Wein auch, der betörte: komm und schlürfe!