Robinson - Die Fahrt
1932Ihn trug das Schiff. Und seine Lippen sangen Hin über Weite, Wasser und den Wind: O Ferne! Flucht! Entgleitendes Verlangen! Augen, o Augen, immer noch zu blind, O Atem, niemals tief genug getrunken, Nie ganz geborstne Brust, entflammtes Herz, Nie doch verglüht in Asche hingesunken, O Stimme, hart, nie ganz geschmolznes Erz: Euch trag ich hin zu neuen Paradiesen, O Heimat, fremde und besonnt -
Er dachte noch, als ihn die Wellen stießen Von Fels zu Fels, er dachte noch: der Mond Hing nächtens da, wie eine Frau zu greifen. Dann schlug er hin. Die See ließ von ihm ab. Er lag ganz still, ein schmaler weißer Streifen In Tang und Sand. Er lag fast wie im Grab.
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Interpretation
Das Gedicht "Robinson - Die Fahrt" von Maria Luise Weissmann erzählt von einer Reise, die mit Hoffnung und Sehnsucht beginnt. Der Protagonist wird von einem Schiff getragen, während seine Lippen ein Lied der Sehnsucht singen. Er sehnt sich nach der Ferne, nach Flucht und nach einem Verlangen, das ihm immer wieder entgleitet. Seine Augen bleiben blind für das, was er sucht, sein Atem ist nie tief genug, um die Weite zu erfassen, und sein Herz bleibt entflammt, aber nie vollständig verglüht. Er trägt diese Sehnsüchte zu neuen Paradiesen, zu einer fremden und besonnten Heimat. Die Reise nimmt jedoch eine tragische Wendung. Als die Wellen den Protagonisten von Felsen zu Felsen stoßen, denkt er noch an den Mond, der wie eine Frau zum Greifen nah erscheint. Doch dann schlägt er hin und die See lässt von ihm ab. Er liegt ganz still, ein schmaler weißer Streifen in Tang und Sand, fast wie in einem Grab. Die Sehnsucht und das Verlangen, die ihn einst bewegten, sind nun erloschen. Er ist gestorben, und sein Körper liegt reglos im Sand, ein Symbol für das Ende seiner Reise und seiner Träume.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- O Ferne! Flucht! Entgleitendes Verlangen!
- Hyperbel
- Niemals tief genug getrunken
- Metapher
- Neue Paradiese
- Personifikation
- Die See ließ von ihm ab
- Vergleich
- Er lag fast wie im Grab