Robinson - Das Erdbeben

Maria Luise Weissmann

1899

Erkenne nun: du konntest ärmer sein Stets noch um vieles. Nicht das Moos zur Nacht, Der Quelle Trunk, ein Schatten, die allein Verlierbar noch; o hier ward mehr vollbracht An Aufzugebendem: daß, jäh beraubt Ums Ziel, Gedanken stehn, die sonst dich brachten Schnell ins Gerettete: bedrohte dich Gewässer, riefst du “Land”; und als entfachten Nach dir sich Flammen, o wie stürzte sich Ins Kühle deine Sehnsucht. Was geschah An schmerzlich Spürbarem, vertrieb Zum Gegensatz dich hoffend: Heil war nah. Wohin nun denkst du rettend? Was verblieb? Nicht Erde, die sich öffnet; Meer, das steigt, Tödliches Wasser; Himmel nicht, in Brand; Tal nicht, aufberstend; Berg nicht, der sich neigt: Kein Ausweg mehr ins Andre: O halt stand!

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Illustration zu Robinson - Das Erdbeben

Interpretation

Das Gedicht "Robinson - Das Erdbeben" von Maria Luise Weissmann beschreibt die existenzielle Krise eines Menschen, der mit dem Verlust seiner gewohnten Sicherheiten und Perspektiven konfrontiert wird. Der Sprecher erkennt, dass er noch ärmer sein könnte, als er es bereits ist, und dass er weit mehr aufgegeben hat, als er sich bewusst war. Die Metaphern von Moos, Quelle und Schatten symbolisieren die Grundbedürfnisse und einfachen Freuden des Lebens, die nun verloren gegangen sind. Das Gedicht schildert die Verzweiflung und Orientierungslosigkeit, die den Protagonisten angesichts einer existenziellen Bedrohung erfassen. Er ruft vergeblich nach Rettung, doch seine gewohnten Denkmuster und Fluchtmöglichkeiten versagen. Die Bilder von Wasser, Flammen und brennendem Himmel verdeutlichen die allumfassende Gefahr, in der er sich befindet. Die Sehnsucht nach Abkühlung und Erleichterung bleibt unerfüllt. Am Ende des Gedichts steht der Mensch vor einer endgültigen Entscheidung: Es gibt keinen Ausweg mehr in die Ferne oder in eine andere Welt. Er muss sich dem Schicksal stellen und "Halt stand" halten. Die Wiederholung des Wortes "nicht" unterstreicht die Ausweglosigkeit der Situation. Das Gedicht endet mit einem Appell zur Standhaftigkeit und zur Annahme der eigenen Endlichkeit.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Nicht das Moos zur Nacht, / Der Quelle Trunk, ein Schatten
Hyperbel
daß, jäh beraubt / Ums Ziel, Gedanken stehn, die sonst dich brachten / Schnell ins Gerettete
Metapher
Ins Kühle deine Sehnsucht
Paradox
Wohin nun denkst du rettend? Was verblieb?
Personifikation
Nicht Erde, die sich öffnet; Meer, das steigt, / Tödliches Wasser; Himmel nicht, in Brand; / Tal nicht, aufberstend; Berg nicht, der sich neigt
Rhetorische Frage
Wohin nun denkst du rettend?
Symbolik
Erde, Meer, Himmel, Tal, Berg