Robespierre
1910Er meckert vor sich hin. Die Augen starren Ins Wagenstroh. Der Mund kaut weißen Schleim. Er zieht ihn schluckend durch die Backen ein. Sein Fuß hängt nackt heraus durch zwei der Sparren.
Bei jedem Wagenstoß fliegt er nach oben. Der Arme Ketten rasseln dann wie Schellen. Man hört der Kinder frohes Lachen gellen, Die ihre Mütter aus der Menge hoben.
Man kitzelt ihn am Bein, er merkt es nicht. Da hält der Wagen. Er sieht auf und schaut Am Straßenende schwarz das Hochgericht.
Die aschengraue Stirn wird schweißbetaut. Der Mund verzerrt sich furchtbar im Gesicht. Man harrt des Schreis. Doch hört man keinen Laut.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Robespierre" von Georg Heym schildert die letzten Momente des französischen Revolutionsführers Maximilien de Robespierre. Es beginnt mit einer eindringlichen Beschreibung seines körperlichen Zustands: Er sabbert, kaut auf weißem Schleim herum und hängt mit einem nackten Fuß aus dem Wagen. Die unmittelbare Nähe des Todes wird durch die Ketten und das Geräusch der Kinder, die aus der Menge herausgelockt werden, um ihn zu verspotten, verstärkt. Im zweiten Teil des Gedichts nähert sich der Wagen dem Schafott. Robespierre, in seiner Verzweiflung, bemerkt nicht einmal, wie man ihn am Bein kitzelt. Als er aufblickt, sieht er das schwarze Hochgericht am Ende der Straße. Sein Gesicht ist aschengrau und schweißbedeckt, sein Mund verzerrt sich zu einer furchtbaren Grimasse. Die Spannung steigt, als alle auf seinen Schrei warten, doch es bleibt still. Das Gedicht endet mit einer unheimlichen Stille, die die Endgültigkeit seines Schicksals unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bei jedem Wagenstoß fliegt er nach oben
- Bildsprache
- Der Mund kaut weißen Schleim
- Hyperbel
- Man harrt des Schreis. Doch hört man keinen Laut
- Kontrast
- Man hört der Kinder frohes Lachen gellen
- Metapher
- Der Arme Ketten rasseln dann wie Schellen
- Onomatopoesie
- Ketten rasseln
- Personifikation
- Er meckert vor sich hin
- Vergleich
- Die aschengraue Stirn wird schweißbetaut