Ring der Liebe
1866Verstohlen schielt man nach den kleinen Schönen Als junges Blut, dem fremd und wundergleich Der Aphrodite früherschloßnes Reich, Und schwärmt in erdentrückten Andachtstönen!
Dann steigt die Sonne höher, hell und heiß, Und scheucht des Morgens zarte Nebelschleier - Und irdisch derb wird unsre Liebesfeier, Die nichts mehr ahnt, und alles will und weiß;
Bis wir vergeblich suchten unser Glück Im Nahen, das als fern sich doch enthüllte: Bis uns die Liebe, die sich nie erfüllte, Zur Wundersehnsucht wieder führt zurück.
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Interpretation
Das Gedicht "Ring der Liebe" von Hanns von Gumppenberg beschreibt den Lebensweg der Liebe in drei Phasen. Zunächst wird die jugendliche Verliebtheit als eine heimliche, bewundernde Schwärmerei dargestellt, die von einer fast religiösen Andacht erfüllt ist. Diese Phase ist geprägt von einer idealisierten Sicht auf die Schönheit und die Liebe, die noch voller Geheimnisse und Wunder zu sein scheint. In der zweiten Phase reift die Liebe heran und wird konkreter und leidenschaftlicher. Die Sonne als Symbol für die Zeit und das Erwachsenwerden lässt die zarten Nebelschleier des Morgens verschwinden, was die Verklärung der Liebe auflöst. Die Liebe wird nun irdisch und direkt, ohne die frühere Ahnung und das Geheimnisvolle, sondern mit klaren Wünschen und Erwartungen. Die letzte Phase des Gedichts reflektiert über die Erkenntnis, dass die wahre Erfüllung der Liebe oft unerreichbar bleibt. Die Suche nach dem Glück in der Nähe führt zu der Einsicht, dass es sich als fern und unerreichbar erwiesen hat. Doch diese unerfüllte Liebe führt letztendlich zu einer erneuten Sehnsucht nach dem Wunderbaren und Unergründlichen, wodurch der Zyklus der Liebe sich schließt und der Prozess von Neuem beginnt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Verstohlen schielt man nach den kleinen Schönen
- Kontrast
- Als junges Blut, dem fremd und wundergleich Der Aphrodite früherschloßnes Reich, Und schwärmt in erdentrückten Andachtstönen! Dann steigt die Sonne höher, hell und heiß, Und scheucht des Morgens zarte Nebelschleier - Und irdisch derb wird unsre Liebesfeier, Die nichts mehr ahnt, und alles will und weiß;
- Metapher
- Dann steigt die Sonne höher, hell und heiß, Und scheucht des Morgens zarte Nebelschleier
- Personifikation
- Und scheucht des Morgens zarte Nebelschleier
- Symbolik
- Ring der Liebe