Rhythmen

Felix Dörmann

1889

Wär′s nicht besser, Tausendmal besser, Statt langsam hinzusiechen, Abzusterben Glied für Glied - Dieses verschleuderte, Sündenbesudelte, Elende Dasein Schnell zu enden? Ich bin nichts und weiß nichts und kann nichts! Mein Leben war Wollust Oder hie und da Halbersticktes Geflacker Kaum empfundner, Schnell verrauchter Liebe. Wem zu Gefallen Weiterschleppen Mein verkommenes, Verfehltes Dasein? Ja, wenn mein Herz und mein Hirn Zu schweigen lernten, Oder vergessen könnten, Wenn das ungestüme Wollen Meiner Seele Zu nichts verflöge, Wenn ich vermöchte Still, genügsam, bescheiden zu werden, Ja, dann vielleicht! - Aber so - Mit Riesenwollen Und Zwergenkönnen, Mit lächelnden Lippen Und brechendem Herzen. Nein, o nein! Hinaus mit mir, Schnell, schnell dorthin, Wo die gefallenen Äser Still vergraben werden…

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Illustration zu Rhythmen

Interpretation

Das Gedicht "Rhythmen" von Felix Dörmann ist ein tiefgründiges und melancholisches Werk, das die Sinnlosigkeit und das Leiden des menschlichen Daseins thematisiert. Der Sprecher drückt eine tiefe Verzweiflung über sein Leben aus, das er als "sündenbesudelt" und "elend" empfindet. Er stellt die Frage, ob es nicht besser wäre, sein Leben schnell zu beenden, anstatt langsam dahinzuvegetieren. Das Gedicht reflektiert über die Unzulänglichkeit des menschlichen Willens und der menschlichen Fähigkeiten im Angesicht der Existenz. Der Sprecher beschreibt sein Leben als eine Folge von flüchtigen Momenten der Wollust und halbherziger Liebe, die schnell verrauchen. Er fragt sich, wem es nützen sollte, sein "verkommenes" und "verfehltes" Dasein weiterzuschleppen. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Unfähigkeit, einen Sinn im Leben zu finden. In den letzten Strophen des Gedichts zeigt sich eine gewisse Resignation. Der Sprecher erwähnt, dass er vielleicht weitermachen könnte, wenn er lernen würde, still, genügsam und bescheiden zu werden. Doch er erkennt, dass er mit seinem "Riesenwollen" und "Zwergenkönnen" nicht dazu in der Lage ist. Das Gedicht endet mit dem Wunsch, schnell dorthin zu gelangen, wo die "gefallenen Äser" still vergraben werden, was als ein metaphorischer Ausdruck für den Tod interpretiert werden kann.

Schlüsselwörter

schnell besser glied dasein still wär tausendmal statt

Wortwolke

Wortwolke zu Rhythmen

Stilmittel

Alliteration
Kaum empfundner, Schnell verrauchter Liebe
Anapher
Wär's nicht besser, Tausendmal besser, Statt langsam hinzusiechen, Abzusterben Glied für Glied
Bildlichkeit
Wo die gefallenen Äser Still vergraben werden
Gegensatz
Mit lächelnden Lippen Und brechendem Herzen
Hyperbel
Mit Riesenwollen Und Zwergenkönnen
Metapher
Elende Dasein Schnell zu enden
Parallelismus
Ich bin nichts und weiß nichts und kann nichts
Rhetorische Frage
Wem zu Gefallen Weiterschleppen Mein verkommenes, Verfehltes Dasein?