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Rhode

Von

Rhode hieß die fromme Magd,
Welche mit erstauntem Ohre
Petri Stimme hört am Thore,
Da sie, wer da klopfe, fragt;
Läßt vor Schreck ihn ausgeschlossen,
Wo sein Haar von Nachtthau tropft,
„Petrus steht am Thor und klopft!“
Meldet sie den Hausgenossen.

„Träumst du?“ ruft man drinnen aus,
„Liegt er nicht im Thurm gebunden?
Oder hat er überwunden?
Meldet sich sein Geist am Haus?“
Doch sie trauet ihrem Ohre:
„Wieder klopft es, kommt und seht!“
Und man zaudert, schaudert, geht, —
Sieh da, Petrus steht am Thore!

Rhode hieß die fromme Magd;
Wenig gilt sie vor den Leuten,
Wenig will ihr Dienst bedeuten,
Dennoch wird ihrs nachgesagt;
Wer dem Herrn und seinen Lieben
Je gedient in Lieb und Treu,
Obs ein Becher Wassers sei:
Droben bleibts ihm gutgeschrieben.

Mancher Name, stolz und hehr,
Dessen Schall die Welt durchdrungen,
Ist verschollen und verklungen,
Keine Zunge nennt ihn mehr;
Doch die Magd, die namenlose,
Bleibt genannt im Buch des Herrn,
Lebt in alle Zeiten fern,
Eine immerblüh′nde „Rose.“ —

Blüht noch wo in Stadt und Land
Still und arm, versteckt im Moose,
Eine solche fromme Rose,
Ungenannt und unbekannt,
Eine Magd, die ohne Klage
Wasser trägt und Feuer schürt,
Schuhe putzt, den Besen führt,
Früh am Morgen, spät am Tage:

Röschen, blühe fröhlich fort!
Zählst du hier auch zu den Kleinen:
Kennet doch der Herr die Seinen;
Hier der Schweiß, der Sabbat dort!
Diene fort mit heitern Mienen,
Dir auch glänzt ein Gnadenstern,
Selig ist′s, als Magd des Herrn
Gott und Gottes Freunden dienen!

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Gedicht: Rhode von Karl von Gerok

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Rhode“ von Karl von Gerok ist eine Hommage an eine unscheinbare, doch im Glauben standhafte Frau, die eine entscheidende Rolle in einer biblischen Szene spielt. Es beginnt mit der Vorstellung Rhodes, der frommen Magd, die die Stimme des Heiligen Petrus vor der Tür des Hauses vernimmt. Dieses initiale Ereignis, das durch die Verwunderung und das Zögern der Hausgenossen gekennzeichnet ist, dient als Grundlage für die Verherrlichung von Rhodes‘ Glauben und ihrer Hingabe.

Das Gedicht entfaltet sich in einer Reihe von Strophen, die Rhodes‘ Demut und ihre scheinbar geringe Bedeutung hervorheben. Es wird betont, dass sie für die Welt eine Unbekannte ist, deren Dienst gering geschätzt wird. Dennoch wird ihre Tat, die Erkennung und das Zulassen des Heiligen Petrus, als von unschätzbarem Wert dargestellt. Dieser Kontrast zwischen der geringen menschlichen Wertschätzung und der hohen Wertschätzung im Reich Gottes ist ein zentrales Thema des Gedichts. Durch die Nennung Rhodes im Buch des Herrn wird ihre Bedeutung über die Zeit hinaus verewigt, während viele „stolze und hehre“ Namen im Vergessen versinken.

Die letzten Strophen richten den Blick auf die zeitlose Bedeutung von Rhodes‘ Tugenden. Gerok ruft nach „frommen Rosen“, die in der Stille und dem Verborgenen blühen. Er appelliert an alle, die unauffällig im Dienst des Herrn stehen, und verspricht ihnen Trost und Erlösung. Die Worte „Hier der Schweiß, der Sabbat dort!“ fassen die Idee zusammen, dass irdische Mühen im Dienste Gottes mit himmlischem Lohn belohnt werden. Die abschließenden Zeilen sind ein Aufruf zur Freude und zum unerschütterlichen Glauben, der in dem Dienst des Herrn seine Erfüllung findet.

Die Verwendung des Namens „Rhode“ (was im Griechischen „Rose“ bedeutet) ist symbolträchtig. Die Rose steht hier für Schönheit, Reinheit und Beständigkeit. Durch die Namensgebung wird die bescheidene Magd zu einem Symbol für die ewige Blüte im Garten Gottes, ein Bild der Gnade und des ewigen Lebens. Die letzte Strophe, in der das „Röschen“ zum fröhlichen Fortblühen aufgerufen wird, verstärkt diese Botschaft und zeigt die Hoffnung, die mit dem Glauben und dem Dienst am Nächsten verbunden ist.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.