Rhode

Karl von Gerok

1827

Rhode hieß die fromme Magd, Welche mit erstauntem Ohre Petri Stimme hört am Thore, Da sie, wer da klopfe, fragt; Läßt vor Schreck ihn ausgeschlossen, Wo sein Haar von Nachtthau tropft, “Petrus steht am Thor und klopft!” Meldet sie den Hausgenossen.

“Träumst du?” ruft man drinnen aus, “Liegt er nicht im Thurm gebunden? Oder hat er überwunden? Meldet sich sein Geist am Haus?” Doch sie trauet ihrem Ohre: “Wieder klopft es, kommt und seht!” Und man zaudert, schaudert, geht, — Sieh da, Petrus steht am Thore!

Rhode hieß die fromme Magd; Wenig gilt sie vor den Leuten, Wenig will ihr Dienst bedeuten, Dennoch wird ihrs nachgesagt; Wer dem Herrn und seinen Lieben Je gedient in Lieb und Treu, Obs ein Becher Wassers sei: Droben bleibts ihm gutgeschrieben.

Mancher Name, stolz und hehr, Dessen Schall die Welt durchdrungen, Ist verschollen und verklungen, Keine Zunge nennt ihn mehr; Doch die Magd, die namenlose, Bleibt genannt im Buch des Herrn, Lebt in alle Zeiten fern, Eine immerblüh′nde “Rose.” —

Blüht noch wo in Stadt und Land Still und arm, versteckt im Moose, Eine solche fromme Rose, Ungenannt und unbekannt, Eine Magd, die ohne Klage Wasser trägt und Feuer schürt, Schuhe putzt, den Besen führt, Früh am Morgen, spät am Tage:

Röschen, blühe fröhlich fort! Zählst du hier auch zu den Kleinen: Kennet doch der Herr die Seinen; Hier der Schweiß, der Sabbat dort! Diene fort mit heitern Mienen, Dir auch glänzt ein Gnadenstern, Selig ist′s, als Magd des Herrn Gott und Gottes Freunden dienen!

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Illustration zu Rhode

Interpretation

Das Gedicht "Rhode" von Karl von Gerok erzählt die biblische Geschichte von Petrus, der nach seiner Flucht aus dem Gefängnis an der Tür eines Hauses klopft. Die Magd Rhode hört Petrus und meldet ihn den Hausgenossen, die zunächst an einen Traum oder eine Erscheinung glauben. Doch als sie selbst nachsehen, steht Petrus tatsächlich vor der Tür. Das Gedicht preist die Tugenden der unbekannten und namenlosen Diener Gottes, die im Verborgenen Gutes tun. Es vergleicht sie mit einer Rose, die still und arm im Moos versteckt blüht. Obwohl sie von der Welt unbeachtet bleiben, werden ihre Taten von Gott belohnt und bleiben in seinem Buch verzeichnet. Im letzten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher direkt an die namenlosen Diener Gottes und ermutigt sie, fröhlich weiterzudienen. Er versichert ihnen, dass auch sie einen Gnadenstern haben und es ein Segen ist, Gott und seinen Freunden zu dienen.

Schlüsselwörter

magd fromme herrn rhode hieß ohre thore petrus

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Stilmittel
Anapher
Rhode hieß die fromme Magd
Hyperbel
Hier der Schweiß, der Sabbat dort
Kontrast
Wenig gilt sie vor den Leuten, Wenig will ihr Dienst bedeuten
Metapher
Eine immerblüh′nde 'Rose'
Personifikation
Wo sein Haar von Nachtthau tropft
Symbolik
Rose
Wiederholung
Rhode hieß die fromme Magd